Samstag, 7. März 2015

Eine afrikanische Heldengeschichte

Vor kurzem habe ich im Bücherschrank unserer WG nach einem neuen Buch gesucht, welches ich in meiner täglichen Mittagspause lesen könnte. Dabei fiel mir dieses hier in die Hände:

Der Junge, der den Wind einfing“ von William Kamkwamba und Bryan Mealer

Das Buch ist eigentlich eine Autobiografie und erzählt die Geschichte von William Kamkwamba, einem Jungen, der in einem kleinen Dorf in Malawi aufwächst. Wie in vielen Dörfern dieses Landes, gibt es auch in seinem Elternhaus keinen Strom. Um dies zu ändern, beginnt William aus Schrottteilen, Müll und wenigen zusammengesparten Stücken, ein Windrad zu bauen.
Doch die Geschichte beschränkt sich nicht nur auf seine physikalischen Überlegungen und Experimente, sondern sie beschreibt auch den Alltag vieler Menschen in Malawi. So werden unter anderem auch viele Probleme angesprochen. Es wird von fehlendem Schulgeld berichtet, von Hunger in Zeiten schlechter Ernte und von korrupter Politik.
Wer einen kleinen Einblick in das dörfliche Leben in Malawi bekommen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Es ist unglaublich spannend geschrieben und liest sich sehr gut. Nebenher bekommt man sogar einen ersten kleinen Sprachkurs in Chichewa. Vielleicht kann dieses Buch euch ein Land zeigen, welches ich so schwer beschreiben kann, da mir oft die richtigen Worte fehlen. Ich musste während des Lesens auch immer wieder inne halten und leise lächeln, da mir viele beschriebene Situationen und Gegebenheiten inzwischen bekannt und vertraut sind. Jeder Name eines Ortes oder einer Stadt, welchen ich kenne, war wie ein kleiner Wink an mich, wie ein freundliches Zwinkern. Ich glaube, ich bin langsam in Malawi angekommen! Beim Lesen tauchten vor meinem inneren Auge unaufhörlich Bilder auf, die ich jeden Tag aufs neue erlebe. Besonders in dem Stadtteil in dem ich arbeite, bin ich immer wieder fasziniert von der Kreativität der Kinder. Wenn ich am Morgen aus dem Minibus steige, dann sehe ich oft ein paar Jungs, die vor den Lokalen die leeren Bierkartons des lokalen Maisbieres Chibuku einsammeln, welche am vergangenen Abend achtlos auf die Straße geworfen wurden. Verlasse ich später am Tag meine Arbeitsstelle wieder und mache mich auf den Rückweg, so sind aus diesen Tetrapacks Spielzeugautos entstanden, die an einem langen Stab durch die Straßen geschoben werden. Vier Kronkorken als Räder, Stöcke als Verbindungsachsen, der Karton, der die Karosserie bildet und schon können wilde Autorennen veranstaltet werden...