Vor kurzem habe ich im Bücherschrank
unserer WG nach einem neuen Buch gesucht, welches ich in meiner
täglichen Mittagspause lesen könnte. Dabei fiel mir dieses hier in
die Hände:
„Der Junge, der den Wind einfing“
von William Kamkwamba und Bryan Mealer
Das Buch ist eigentlich eine
Autobiografie und erzählt die Geschichte von William Kamkwamba,
einem Jungen, der in einem kleinen Dorf in Malawi aufwächst. Wie in
vielen Dörfern dieses Landes, gibt es auch in seinem Elternhaus
keinen Strom. Um dies zu ändern, beginnt William aus Schrottteilen,
Müll und wenigen zusammengesparten Stücken, ein Windrad zu bauen.
Doch die Geschichte beschränkt sich
nicht nur auf seine physikalischen Überlegungen und Experimente,
sondern sie beschreibt auch den Alltag vieler Menschen in Malawi. So
werden unter anderem auch viele Probleme angesprochen. Es wird von
fehlendem Schulgeld berichtet, von Hunger in Zeiten schlechter Ernte
und von korrupter Politik.
Wer einen kleinen Einblick in das
dörfliche Leben in Malawi bekommen möchte, dem sei dieses Buch
wärmstens ans Herz gelegt. Es ist unglaublich spannend geschrieben
und liest sich sehr gut. Nebenher bekommt man sogar einen ersten
kleinen Sprachkurs in Chichewa. Vielleicht kann dieses Buch euch ein
Land zeigen, welches ich so schwer beschreiben kann, da mir oft die
richtigen Worte fehlen. Ich musste während des Lesens auch immer
wieder inne halten und leise lächeln, da mir viele beschriebene
Situationen und Gegebenheiten inzwischen bekannt und vertraut sind.
Jeder Name eines Ortes oder einer Stadt, welchen ich kenne, war
wie ein kleiner Wink an mich, wie ein freundliches Zwinkern. Ich
glaube, ich bin langsam in Malawi angekommen! Beim Lesen tauchten vor
meinem inneren Auge unaufhörlich Bilder auf, die ich jeden Tag aufs
neue erlebe. Besonders in dem Stadtteil in dem ich arbeite, bin ich
immer wieder fasziniert von der Kreativität der Kinder. Wenn ich am
Morgen aus dem Minibus steige, dann sehe ich oft ein paar Jungs, die
vor den Lokalen die leeren Bierkartons des lokalen Maisbieres Chibuku
einsammeln, welche am vergangenen Abend achtlos auf die Straße
geworfen wurden. Verlasse ich später am Tag meine Arbeitsstelle
wieder und mache mich auf den Rückweg, so sind aus diesen Tetrapacks
Spielzeugautos entstanden, die an einem langen Stab durch die Straßen
geschoben werden. Vier Kronkorken als Räder, Stöcke als
Verbindungsachsen, der Karton, der die Karosserie bildet und schon
können wilde Autorennen veranstaltet werden...