Jetzt bin ich schon einen Monat in
Malawi! In dieser Zeit ist unglaublich viel passiert. Ich habe sehr
viele für mich ungewohnte Dinge gesehen und lerne täglich dazu. Das
Wichtigste gibt es jetzt in der Kurzfassung:
Arbeit
Seit zwei Wochen arbeite ich von Montag
bis Freitag im House of Hope. Vormittags bin ich im Kindergarten, wo
ich mit den Kindern spiele und ihnen gemeinsam mit den Erziehern
erste englische Vokabeln beibringe. Wir üben zum Beispiel die
Wochentage, die Monatsnamen und die Zahlen von eins bis zwanzig.
Nachmittags assistiere ich im Unterricht in den after school classes.
Dabei geht es größtenteils darum, den Lehrern beim Korrigieren von
Aufgaben zu helfen, die die Schüler im Englisch-, Mathematik- oder
Chichewaunterricht gelöst haben. Die ersten beiden Wochen waren eine
Art Eingewöhnungsphase für mich. Wahrscheinlich werde ich nach und
nach mehr Aufgaben übernehmen.
Sprache
Die Kinder im
House of Hope sprechen größtenteils nur Chichewa. Das macht es für
mich etwas schwieriger, mich mit ihnen zu verständigen, da ich bis
jetzt nur wenige Worte auf Chichewa spreche. Aber die Kommunikaton
funktioniert auch über Gestik und Mimik, also eine Art
Zeichensprache. Das Wort, welches ich zur Zeit am häufigsten
verwende, ist „basi“, was so viel wie „genug“ oder „es
reicht“ bedeutet. Ich kann es inzwischen dankend, genervt,
kapitulierend und bittend betonen.
Essen
Jeden Mittag gibt
es im House of Hope n´sima mit verschiedenen Beilagen. Das ist ein
für Malawi typischer Brei, der aus Maismehl und Wasser zubereitet
wird. Dazu gibt es verschiedene Bohnensorten oder Rührei mit
gekochten Kürbisblättern. N´sima wird mit bloßen Händen
gegessen. Man formt aus einem Teil des Breis mit der rechten Hand
eine kleine Kugel, in die dann mittig eine Kuhle gedrückt wird.
Damit nimmt man die Beilage auf und balanciert das Ganze zum Mund. Am
Anfang ist das etwas schwierig, jedoch gewöhnt man sich schnell
daran.
Musik
An einem der
vergangenen Wochenenenden war ich gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin
auf einem kleinen Festival direkt am See. Dort habe ich zum ersten
Mal die angesagte malawische Musik gehört. Wer sich dafür
interessiert, sollte mal nach den Namen Paul Banda, Skeffa Chimoto,
den Soul Raiders, Lulu und den Black Missionaries umhören. Das sind
Künstler aus Malawi und den angrenzenden Nachbarländern wie Sambia.
Besonders beeindruckt haben mich bei diesem Festival die tanzenden
malawischen Frauen. Einige von ihnen konnten unglaublich mit den
Hüften wackeln und ihren gesamten Unterkörper schütteln, da hat
man beim Zuschauen fast selbst das Tanzen vergessen.
Verkehrsmittel
Um von einem Punkt
zum anderen zu gelangen, habe ich hier schon die verschiedensten
Verkehrsmittel benutzt. Am weitesten verbreitet ist die Nutzung von
Minibussen. Diese fahren auf verschiedenen Strecken in fast alle
Viertel und der Großteil trifft sich am zentral gelegenen Busdepot.
Es gibt keine offiziellen Haltestellen für diese Busse. Die meisten
Menschen stellen sich einfach an Stellen, an denen das Anhalten
günstig ist, an den Straßenrand und werden dort eingesammelt. Für
meinen Weg zur Arbeit nutze ich jeden Tag diese Minibusse und bin
auch immer gut angekommen. Am Depot selbst fahren die Busse erst dann
los, wenn jeder Platz besetzt ist. Auf einer Sitzreihe mit drei
Plätzen nehmen dann immer vier Menschen Platz. Das ist natürlich
sehr eng, aber man kommt so auch gut mit den Menschen ins Gespräch.
In Malawi ist es tagsüber auch kein Problem, per Anhalter zu fahren.
Dabei muss man allerdings wissen, dass hier nicht das
„Daumen-raus-Zeichen“ gilt. Stattdessen wird mit ausgestrecktem
Arm und flacher Hand, leicht von oben nach unten gewunken, als ob man
das herannahende Auto entschleunigen wollte. Und dabei nicht
vergessen: Lächeln!
Ungewohntes
Es gibt einige
Dinge, an die ich mich hier erst gewöhnen muss. So hat es einige
Tage gebraucht, bis mich der Linksverkehr nicht mehr überrascht
hat. Bis jetzt finde ich es an Kreuzungen oft noch verwirrend, wer
denn eigentlich gerade Vorfahrt hat. Malawi ist in dieser Hinsicht
von der englischen Kolonialherrschaft geprägt.
Außerdem nimmt
der Mond nicht von rechts nach links ab, sondern von oben nach unten
und ich erkenne hier keine Sternbilder. Das liegt natürlich daran,
dass ich mich auf der Südhalbkugel unserer Erde befinde.
Abends fällt in
unserem Viertel manchmal der Strom aus, aber während man noch dabei
ist, Kerzen anzuzünden und sich innerlich mit einem „candlelight
dinner“ arrangiert, flackert das Licht oft schon wieder auf. Der
Jubel, der dann für eine Minute im Viertel herrscht, ist
unbeschreiblich!
Ganz viele liebe
Grüße!
Henriette







