Samstag, 20. September 2014

Prolog

Für jede Reise braucht es eine gewisse Vorbereitung. Je kürzer die Zeit, für die man unterwegs ist, desto weniger muss man wahrscheinlich bedenken. Für die 11 Monate, die ich in Malawi verbringen werde, bedarf es deshalb einer besonders gründlichen Vorbereitung.
Diese begann für mich im Juli, mit dem Besuch eines zehntägigen Seminars meiner Organisation Kolping. Während dieses Seminars hatten einige der zukünftigen Freiwilligen sogar schon die Möglichkeit, die Mentoren ihres Projektes kennenzulernen, denn einige Projektleiter waren aus Asien, Afrika, Latein- und Südamerika angereist, um uns einen ersten Einblick in die für uns neue und fremde Kultur zu geben. Für meinen Leiter war dies leider nicht möglich, aber dafür waren zwei andere Mentoren aus Malawi angereist. Im Verlauf des Seminars hatten wir einige Einheiten gemeinsam mit den Projektleitern, für andere wurden Mentoren und Freiwillige in zwei Gruppen geteilt.
Als Freiwillige haben wir uns viel mit unserer Identität und unseren Vorstellungen und Ängsten hinsichtlich des Auslandsjahres beschäftigt. Es tat sehr gut, sich mit anderen Jugendlichen auszutauschen, die den selben Schritt wagen und für mehrere Monate ins Ausland gehen. Die meisten haben vor einer solchen Reise Zweifel oder Bedenken und angenehmerweise waren fast alle bereit, sich darüber auszutauschen. Wir wurden darauf vorbereitet, dass besonders die erste Zeit in einer fremden Umgebung hart ist, dass man alltäglichen Dinge, wie das Einkaufen erst neu lernen muss und auch der Kontakt zu den Mitmenschen sich zu Beginn oft schwierig gestaltet.
Außerdem wurden wir über das Thema Rassismus umfassend aufgeklärt, denn auch wenn inzwischen Worte wie „Negerkuss“ in der deutschen Sprache verboten sind, so finden sich dennoch unzählige andere Beispiele wie „Stamm“, die bei uns eindeutig negative oder primitive Vorstellungen hervorrufen, oft ohne, dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Die Einheit „against rascism“ hat mir dafür die Augen geöffnet und mich zum Nachdenken angeregt. Eine andere Einheit, welche mich lange beschäftigt hat, befasste sich mit der kritischen Sicht auf den Freiwilligendienst. Was kann ich Jugendlicher ohne Ausbildung oder Beruf in einem Land leisten, dessen Kultur und Sprache mir fremd sind? Bin ich es wirklich wert, mit Geldern gefördert zu werden? Über diese Fragen haben wir viel diskutiert und sind schlussendlich zu der Erkenntnis gekommen: Ja, wir sind es wert! Wir werden zwar mit unserem Freiwilligendienst nicht die Welt verbessern oder großartig Hilfe leisten, aber wir tragen damit zur interkulturellen Verständigung zwischen Ländern und Kulturen bei. Wir sind vielleicht nicht ausgebildet, aber wir bringen Zeit und den Willen mit, andere Menschen kennenzulernen, uns auf sie einzulassen und mit der Zeit vielleicht ihre Lebensweise besser zu verstehen. Außerdem wollen wir von unseren Erfahrungen und Erlebnissen berichten, um auch anderen einen Einblick in fremde Länder und Sitten zu ermöglichen.
Neben all diesen theoretischen Gedankengängen, bekamen wir auch einige praktische Hinweise, zum Beispiel in der Medizineinheit, in der wir über Krankheiten und den Schutz vor ihnen aufgeklärt wurden sowie in Form einer Packliste mit Dingen, die für einen längeren Auslandsaufenthalt praktisch oder unabkömmlich sind.
Zur selben Zeit gab es für die Mentoren Einheiten über den Umgang mit Freiwilligen, Konfliktlösung und ihre Rolle als Ansprechpartner. In der gemeinsamen Zeit erfolgte ein erster Austausch über die Sitten der jeweiligen Länder mit Hinweisen auf das Verhalten in verschiedenen Situationen und die Kleiderordnung. Desweiteren gab es einen kleinen Sprachkurs, für uns Malawifreiwillige ging es dabei natürlich darum, erste Worte und Redewendungen in Chichewa, der Landessprache Malawis zu lernen. Gerade in diesen Einheiten wurden wir von einigen ehemaligen Freiwilligen unterstützt, die ihr Auslandsjahr zum Teil erst wenige Tage oder Wochen zuvor beendet hatten und uns bereitwillig viel über ihre Länder und Projekte erzählten. Das war unglaublich hilfreich, denn aus den Erzählungen der Mentoren und der Vorfreiwilligen ergab sich ein erstes Bild unseres Reiseziels.
Dieses Vorbereitungsseminar hat mir insgesamt sehr viel weitergeholfen! Es hat mich die anderen Freiwilligen und die Mentoren besser kennen lernen lassen und meine Vorfreude auf das bevorstehende Auslandsjahr trotz kritischer Einheiten nur noch gesteigert.
Die restlichen Vorbereitungen waren vergleichsweise unbedeutend. Die verschiedensten Impfungen mussten im Tropenzentrum durchgeführt und eine Reiseapotheke zusammengestellt werden. Schlussendlich wurde alles Nötige in einen Koffer und meinen Wanderrucksack gepackt und dann...
folgte der schwere Abschied von Familie und Freunden, bis es wirklich los ging! 11 Monate in Malawis Hauptstadt Lilongwe warten auf mich...

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