Für jede Reise braucht es eine gewisse
Vorbereitung. Je kürzer die Zeit, für die man unterwegs ist, desto
weniger muss man wahrscheinlich bedenken. Für die 11 Monate, die ich
in Malawi verbringen werde, bedarf es deshalb einer besonders
gründlichen Vorbereitung.
Diese begann für mich im Juli, mit dem
Besuch eines zehntägigen Seminars meiner Organisation Kolping.
Während dieses Seminars hatten einige der zukünftigen Freiwilligen
sogar schon die Möglichkeit, die Mentoren ihres Projektes
kennenzulernen, denn einige Projektleiter waren aus Asien, Afrika,
Latein- und Südamerika angereist, um uns einen ersten Einblick in
die für uns neue und fremde Kultur zu geben. Für meinen Leiter war
dies leider nicht möglich, aber dafür waren zwei andere Mentoren
aus Malawi angereist. Im Verlauf des Seminars hatten wir einige
Einheiten gemeinsam mit den Projektleitern, für andere wurden
Mentoren und Freiwillige in zwei Gruppen geteilt.
Als Freiwillige haben wir uns viel mit
unserer Identität und unseren Vorstellungen und Ängsten
hinsichtlich des Auslandsjahres beschäftigt. Es tat sehr gut, sich
mit anderen Jugendlichen auszutauschen, die den selben Schritt wagen
und für mehrere Monate ins Ausland gehen. Die meisten haben vor
einer solchen Reise Zweifel oder Bedenken und angenehmerweise waren
fast alle bereit, sich darüber auszutauschen. Wir wurden darauf
vorbereitet, dass besonders die erste Zeit in einer fremden Umgebung
hart ist, dass man alltäglichen Dinge, wie das Einkaufen erst neu
lernen muss und auch der Kontakt zu den Mitmenschen sich zu Beginn
oft schwierig gestaltet.
Außerdem wurden wir über das Thema
Rassismus umfassend aufgeklärt, denn auch wenn inzwischen Worte wie
„Negerkuss“ in der deutschen Sprache verboten sind, so finden
sich dennoch unzählige andere Beispiele wie „Stamm“, die bei uns
eindeutig negative oder primitive Vorstellungen hervorrufen, oft
ohne, dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Die Einheit
„against rascism“ hat mir dafür die Augen geöffnet und mich zum
Nachdenken angeregt. Eine andere Einheit, welche mich lange
beschäftigt hat, befasste sich mit der kritischen Sicht auf den
Freiwilligendienst. Was kann ich Jugendlicher ohne Ausbildung oder
Beruf in einem Land leisten, dessen Kultur und Sprache mir fremd
sind? Bin ich es wirklich wert, mit Geldern gefördert zu werden?
Über diese Fragen haben wir viel diskutiert und sind schlussendlich
zu der Erkenntnis gekommen: Ja, wir sind es wert! Wir werden zwar mit
unserem Freiwilligendienst nicht die Welt verbessern oder großartig
Hilfe leisten, aber wir tragen damit zur interkulturellen
Verständigung zwischen Ländern und Kulturen bei. Wir sind
vielleicht nicht ausgebildet, aber wir bringen Zeit und den Willen
mit, andere Menschen kennenzulernen, uns auf sie einzulassen und mit
der Zeit vielleicht ihre Lebensweise besser zu verstehen. Außerdem
wollen wir von unseren Erfahrungen und Erlebnissen berichten, um auch
anderen einen Einblick in fremde Länder und Sitten zu ermöglichen.
Neben all diesen theoretischen
Gedankengängen, bekamen wir auch einige praktische Hinweise, zum
Beispiel in der Medizineinheit, in der wir über Krankheiten und den
Schutz vor ihnen aufgeklärt wurden sowie in Form einer Packliste mit
Dingen, die für einen längeren Auslandsaufenthalt praktisch oder
unabkömmlich sind.
Zur selben Zeit gab es für die
Mentoren Einheiten über den Umgang mit Freiwilligen, Konfliktlösung
und ihre Rolle als Ansprechpartner. In der gemeinsamen Zeit erfolgte
ein erster Austausch über die Sitten der jeweiligen Länder mit
Hinweisen auf das Verhalten in verschiedenen Situationen und die
Kleiderordnung. Desweiteren gab es einen kleinen Sprachkurs, für uns
Malawifreiwillige ging es dabei natürlich darum, erste Worte und
Redewendungen in Chichewa, der Landessprache Malawis zu lernen.
Gerade in diesen Einheiten wurden wir von einigen ehemaligen
Freiwilligen unterstützt, die ihr Auslandsjahr zum Teil erst wenige
Tage oder Wochen zuvor beendet hatten und uns bereitwillig viel über
ihre Länder und Projekte erzählten. Das war unglaublich hilfreich,
denn aus den Erzählungen der Mentoren und der Vorfreiwilligen ergab
sich ein erstes Bild unseres Reiseziels.
Dieses Vorbereitungsseminar hat mir
insgesamt sehr viel weitergeholfen! Es hat mich die anderen
Freiwilligen und die Mentoren besser kennen lernen lassen und meine
Vorfreude auf das bevorstehende Auslandsjahr trotz kritischer
Einheiten nur noch gesteigert.
Die restlichen Vorbereitungen waren
vergleichsweise unbedeutend. Die verschiedensten Impfungen mussten im
Tropenzentrum durchgeführt und eine Reiseapotheke zusammengestellt
werden. Schlussendlich wurde alles Nötige in einen Koffer und meinen
Wanderrucksack gepackt und dann...
folgte der schwere Abschied von Familie
und Freunden, bis es wirklich los ging! 11 Monate in Malawis
Hauptstadt Lilongwe warten auf mich...
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