Wer geht schon an einem Samstag
freiwillig zur Schule? Diese Frage hat sich den rund 240 Schülern der
after school classes des House of Hope gar nicht gestellt, denn für
den vergangenen Samstag war ein Sportfest angekündigt! Das
verspricht doch Spiel, Spaß und viel Bewegung...
Während wir Mitarbeiter am Morgen im
Büro die Teilnehmerlisten durchgehen, erhalten alle Schüler zur
Stärkung eine Portion phala. Das ist ähnlich wie nsima ein
Maisbrei, der aber dünnflüssiger zubereitet und süß gewürzt
wird. Auf jeden Fall gibt der Brei ordentlich Energie und die wird an
einem solchen Tag gebraucht! Als alle gestärkt sind, versammeln wir
uns vor der provisorisch aufgebauten Bühne zu deren Seiten riesige
Boxen stehen. Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist, brennt die
Sonne schon vom Himmel und alle suchen einen Platz im Schatten, den
die vor der Bühne aufgespannten Zelte spenden.
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| George und Missionary Min bei der Begrüßung |
Dann wird der
Sporttag endlich offiziell eröffnet, mit einem herzlichen
Willkommensgruß an alle und einem Morgengebet, welches von meinem
Mentor Elia gesprochen wird, der auch Pastor ist. Er wird oft von den
anderen Mitarbeitern abusa genannt, was auf Chichewa Pastor, aber
zeitgleich auch Schafhirte heißt. Gerade mit christlichem Hintergrund
betrachtet, finde ich diese Übereinstimmung sehr schön. Nach einem
dreifachen „Hallelujah – Amen!“ lesen wir die Mannschaftseinteilung für
den heutigen Tag vor. Jedes der acht Teams setzt sich aus Schülern
aller Klassenstufen zusammen und wird von einem Mitarbeiter betreut.
Ich kümmere mich gemeinsam mit meiner koreanischen Mitfreiwilligen
Jooye um Team 8. Damit wir die Mannschaften während des Sporttags
auseinanderhalten können, bekommen alle Mitglieder der verschiedenen
Teams T-Shirts in der selben Farbe. So haben wir Team yellow, orange,
blue, white, indigo, purple, green und pink – so bunt wie ein
Regenbogen.
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| Team blue, purple und yellow |
Unser Team erhält die pinken T-Shirts und ich stelle mal
wieder fest, dass das absolut nicht meine Farbe ist, aber für diesen
besonderen Tag laufe auch ich fröhlich in einem quietsch-rosa Shirt
herum. Die Mitglieder von Team pink tragen ihre Trikots auf jeden
Fall mit Stolz. Nur die kleine Gladys sieht etwas unglücklich aus.
Sie hat ein viel zu großes Shirt erhalten, das ihr bis über die
Knie reicht. Wie soll man denn damit vernünftig Sport machen können?
Aber mit einem kleinen Trick können wir da schnell Abhilfe schaffen und für den Rest des Tages läuft sie mit einem dicken Knoten vor dem
Bauch herum, der das Shirt auf eine passable Länge zusammenrafft.
So kann auch sie ordentlich mittoben, denn für die Grundschulkinder
wird jetzt die Hüpfburg eröffnet. Bei dem Anblick der hüpfenden,
lachenden Kinder bekomme auch ich nicht übel Lust mitzuspringen,
aber wir müssen uns um das Programm für die älteren Kinder
kümmern. Das starte nämlich mit einem kleinen Fußballturnier.
Jeweils vier Mädchen und vier Jungs aus den verschiedenen Teams
treten gegeneinander an, während sich der Rest der Mannschaft am
Spielfeldrand versammelt und die Spieler fleißig durch Singen und
Tanzen anfeuert. Unser Team verliert leider schon beim ersten Spiel
und so qualifizieren wir uns nicht für das Halbfinale. Dafür läuft
es im anschließenden Netball-Turnier wesentlich besser. Netball ist
eine in Malawi häufig vertretene Sportart, die ein wenig an eine
Mischung aus Handball und Basketball erinnert. An beiden Enden des
Spielfeldes steht eine Stange mit einem Metallring am oberen Ende,
welcher an einen Basketballkorb erinnert. Die sieben Spieler jedes
Teams versuchen, den Ball durch den Ring des Gegners zu befördern.
So werden die Tore erzielt. Auf dem Spielfeld wird der Ball mit der
Hand von Spieler zu Spieler gepasst, wobei der Spieler, der im Besitz
des Balls ist, nur drei Schritte laufen darf. Es ist ein schnelles
Spiel und die Mitglieder der Teams kommen ordentlich ins Schwitzen,
genauso wie der Fanclub am Spielfeldrand. Diesmal schaffen wir es bis
ins Halbfinale, bevor wir von einem anderen Team besiegt werden. Die
finalen Spiele der beiden Turniere werden auf den Nachmittag
verschoben, denn jetzt gibt es erstmal Mittagessen für alle
Sportler. Bei nsima mit Bohnen und einem Mischung aus Wasser und
Limonade kommen alle wieder zu Kräften. Dann erscheinen langsam die
ersten Eltern, die für den Nachmittag zum Zuschauen eingeladen
wurden.
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| Die Eltern auf den Zuschauerrängen |
Während sie sich einen Platz unter den Zeltdächern suchen,
schallt laute, malawische Musik aus den Boxen neben der Bühne und
die Kinder tanzen wild und ausdrucksstark. Das können sie mindesten
genauso gut wie die Erwachsenen, die ich bisher auf Musikfestivals
oder in Clubs tanzen gesehen habe, wenn nicht sogar noch besser. Als
sich alle eingefunden haben, folgen die nächsten Sportarten. Für
die jüngeren Kinder gibt es einen Staffellauf und die älteren
messen sich im Weit- und Hochsprung. Es ist unglaublich anzusehen,
wie einige Mädchen in überknielangen Jeansröcken wie Gazellen
springen und dabei großartige Weiten und Höhen erzielen.
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| Auch Röcke hindern nicht am Springen! |
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| Die Latte wird höher und höher gehängt... |
Auch die
Ergebnisse, die die Jungs erzielen sind atemberaubend. Die Eltern
klatschen und jubeln bei jedem Sprung begeistert. Ich glaube, stolze
Eltern haben überall auf der Welt den gleichen Gesichtsausdruck.
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| Unser Springer für Team pink in action. |
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| Der spektakulärste Sprung des Tages! |
Den
Höhepunkt des Nachmittags bilden dann die finalen Spiele des Fußball- und
des Netballturniers. Die Mitarbeiter Lloyd und Louis verwandeln sich
dabei in großartige Moderatoren. Sie teilen sich abwechselnd das
Mikrophon und so schallen aus den Boxen die Kommentare zum jeweiligen
Spielgeschehen. Leider verläuft die Moderation auf Chichewa, weshalb
ich nicht sehr viel verstehe, aber Tonfall und Stimmlage der
Moderatoren verraten eigentlich auch alles. Da wird enthusiastisch
gejubelt, wenn einem Spieler ein Trick gelungen ist und zornig
aufgestöhnt, wenn ein Foul verübt wurde. Zwischendurch wird
natürlich immer wieder der aktuelle Spielstand verkündet. Welches
Team am Ende gewonnen hat? Das kann ich nicht mehr mit Gewissheit
sagen und es erscheint mir auch unwichtig, da alle Kinder sehr viel
Spaß hatten.
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| Versammlung in der Kirche |
Zum Abschluss versammeln sich alle Schüler in der
Kirche, wo jeder einen Beutel mit Waschseife, Körperseife und
Vaseline zum Eincremen erhält. Das ist auch dringend nötig, so
durchgeschwitzt und verdreckt wie alle nach diesem sportlichen und
staubigen Tag sind.
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| Jeder erhält einen gefüllten Beutel. |
Auch ich freue mich auf eine Dusche und eine
Runde Entspannung und so machen wir uns schließlich alle auf den
Heimweg.
Was ich mir von diesem Tag mitnehme?
Einen leichten Sonnenbrand und die Erinnerung an viele glückliche
Gesichter bei Groß und Klein! Der Sporttag war ein voller Erfolg!
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| Glückliche und verschwitzte Schüler |
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| Zum Jubeln ist noch Kraft da! |