Samstag, 15. November 2014

Sporttag im House of Hope

Wer geht schon an einem Samstag freiwillig zur Schule? Diese Frage hat sich den rund 240 Schülern der after school classes des House of Hope gar nicht gestellt, denn für den vergangenen Samstag war ein Sportfest angekündigt! Das verspricht doch Spiel, Spaß und viel Bewegung...
Während wir Mitarbeiter am Morgen im Büro die Teilnehmerlisten durchgehen, erhalten alle Schüler zur Stärkung eine Portion phala. Das ist ähnlich wie nsima ein Maisbrei, der aber dünnflüssiger zubereitet und süß gewürzt wird. Auf jeden Fall gibt der Brei ordentlich Energie und die wird an einem solchen Tag gebraucht! Als alle gestärkt sind, versammeln wir uns vor der provisorisch aufgebauten Bühne zu deren Seiten riesige Boxen stehen. Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist, brennt die Sonne schon vom Himmel und alle suchen einen Platz im Schatten, den die vor der Bühne aufgespannten Zelte spenden.
George und Missionary Min bei der Begrüßung
Dann wird der Sporttag endlich offiziell eröffnet, mit einem herzlichen Willkommensgruß an alle und einem Morgengebet, welches von meinem Mentor Elia gesprochen wird, der auch Pastor ist. Er wird oft von den anderen Mitarbeitern abusa genannt, was auf Chichewa Pastor, aber zeitgleich auch Schafhirte heißt. Gerade mit christlichem Hintergrund betrachtet, finde ich diese Übereinstimmung sehr schön. Nach einem dreifachen „Hallelujah – Amen!“ lesen wir die Mannschaftseinteilung für den heutigen Tag vor. Jedes der acht Teams setzt sich aus Schülern aller Klassenstufen zusammen und wird von einem Mitarbeiter betreut. Ich kümmere mich gemeinsam mit meiner koreanischen Mitfreiwilligen Jooye um Team 8. Damit wir die Mannschaften während des Sporttags auseinanderhalten können, bekommen alle Mitglieder der verschiedenen Teams T-Shirts in der selben Farbe. So haben wir Team yellow, orange, blue, white, indigo, purple, green und pink – so bunt wie ein Regenbogen.
Team blue, purple und yellow
Unser Team erhält die pinken T-Shirts und ich stelle mal wieder fest, dass das absolut nicht meine Farbe ist, aber für diesen besonderen Tag laufe auch ich fröhlich in einem quietsch-rosa Shirt herum. Die Mitglieder von Team pink tragen ihre Trikots auf jeden Fall mit Stolz. Nur die kleine Gladys sieht etwas unglücklich aus. Sie hat ein viel zu großes Shirt erhalten, das ihr bis über die Knie reicht. Wie soll man denn damit vernünftig Sport machen können? Aber mit einem kleinen Trick können wir da schnell Abhilfe schaffen und für den Rest des Tages läuft sie mit einem dicken Knoten vor dem Bauch herum, der das Shirt auf eine passable Länge zusammenrafft. So kann auch sie ordentlich mittoben, denn für die Grundschulkinder wird jetzt die Hüpfburg eröffnet. Bei dem Anblick der hüpfenden, lachenden Kinder bekomme auch ich nicht übel Lust mitzuspringen, aber wir müssen uns um das Programm für die älteren Kinder kümmern. Das starte nämlich mit einem kleinen Fußballturnier. Jeweils vier Mädchen und vier Jungs aus den verschiedenen Teams treten gegeneinander an, während sich der Rest der Mannschaft am Spielfeldrand versammelt und die Spieler fleißig durch Singen und Tanzen anfeuert. Unser Team verliert leider schon beim ersten Spiel und so qualifizieren wir uns nicht für das Halbfinale. Dafür läuft es im anschließenden Netball-Turnier wesentlich besser. Netball ist eine in Malawi häufig vertretene Sportart, die ein wenig an eine Mischung aus Handball und Basketball erinnert. An beiden Enden des Spielfeldes steht eine Stange mit einem Metallring am oberen Ende, welcher an einen Basketballkorb erinnert. Die sieben Spieler jedes Teams versuchen, den Ball durch den Ring des Gegners zu befördern. So werden die Tore erzielt. Auf dem Spielfeld wird der Ball mit der Hand von Spieler zu Spieler gepasst, wobei der Spieler, der im Besitz des Balls ist, nur drei Schritte laufen darf. Es ist ein schnelles Spiel und die Mitglieder der Teams kommen ordentlich ins Schwitzen, genauso wie der Fanclub am Spielfeldrand. Diesmal schaffen wir es bis ins Halbfinale, bevor wir von einem anderen Team besiegt werden. Die finalen Spiele der beiden Turniere werden auf den Nachmittag verschoben, denn jetzt gibt es erstmal Mittagessen für alle Sportler. Bei nsima mit Bohnen und einem Mischung aus Wasser und Limonade kommen alle wieder zu Kräften. Dann erscheinen langsam die ersten Eltern, die für den Nachmittag zum Zuschauen eingeladen wurden.
Die Eltern auf den Zuschauerrängen
Während sie sich einen Platz unter den Zeltdächern suchen, schallt laute, malawische Musik aus den Boxen neben der Bühne und die Kinder tanzen wild und ausdrucksstark. Das können sie mindesten genauso gut wie die Erwachsenen, die ich bisher auf Musikfestivals oder in Clubs tanzen gesehen habe, wenn nicht sogar noch besser. Als sich alle eingefunden haben, folgen die nächsten Sportarten. Für die jüngeren Kinder gibt es einen Staffellauf und die älteren messen sich im Weit- und Hochsprung. Es ist unglaublich anzusehen, wie einige Mädchen in überknielangen Jeansröcken wie Gazellen springen und dabei großartige Weiten und Höhen erzielen.
Auch Röcke hindern nicht am Springen!

Die Latte wird höher und höher gehängt...
Auch die Ergebnisse, die die Jungs erzielen sind atemberaubend. Die Eltern klatschen und jubeln bei jedem Sprung begeistert. Ich glaube, stolze Eltern haben überall auf der Welt den gleichen Gesichtsausdruck.
Unser Springer für Team pink in action.

Der spektakulärste Sprung des Tages!
Den Höhepunkt des Nachmittags bilden dann die finalen Spiele des Fußball- und des Netballturniers. Die Mitarbeiter Lloyd und Louis verwandeln sich dabei in großartige Moderatoren. Sie teilen sich abwechselnd das Mikrophon und so schallen aus den Boxen die Kommentare zum jeweiligen Spielgeschehen. Leider verläuft die Moderation auf Chichewa, weshalb ich nicht sehr viel verstehe, aber Tonfall und Stimmlage der Moderatoren verraten eigentlich auch alles. Da wird enthusiastisch gejubelt, wenn einem Spieler ein Trick gelungen ist und zornig aufgestöhnt, wenn ein Foul verübt wurde. Zwischendurch wird natürlich immer wieder der aktuelle Spielstand verkündet. Welches Team am Ende gewonnen hat? Das kann ich nicht mehr mit Gewissheit sagen und es erscheint mir auch unwichtig, da alle Kinder sehr viel Spaß hatten.
Versammlung in der Kirche
Zum Abschluss versammeln sich alle Schüler in der Kirche, wo jeder einen Beutel mit Waschseife, Körperseife und Vaseline zum Eincremen erhält. Das ist auch dringend nötig, so durchgeschwitzt und verdreckt wie alle nach diesem sportlichen und staubigen Tag sind.
Jeder erhält einen gefüllten Beutel.
Auch ich freue mich auf eine Dusche und eine Runde Entspannung und so machen wir uns schließlich alle auf den Heimweg.
Was ich mir von diesem Tag mitnehme? Einen leichten Sonnenbrand und die Erinnerung an viele glückliche Gesichter bei Groß und Klein! Der Sporttag war ein voller Erfolg!
Glückliche und verschwitzte Schüler

Zum Jubeln ist noch Kraft da!

2 Kommentare:

  1. Liebe Henriette wieder hast Du mir so viel von Deinen Erlebnissen mitgeteilt, dass ich mich auch freue, dass Du so viel erleben kannst. Wie ist es denn bei Euch mit Advent und Weihnachten. Ich wünsche dir weiter hin viel Kraft und Gottes Segen Maria

    AntwortenLöschen
  2. Nice. Sport ist immer ne gute Sache!
    Wer war am Ende mehr aus der Puste, du oder die Kinder? ;-)
    lg charlie

    AntwortenLöschen