Montag, 6. Oktober 2014

Tag der deutschen Einheit

Im vergangenen Monat habe ich eine sehr formell wirkende Einladung erhalten:
"On the occasion of the Day of German Unity The Ambassador of the Federal Republic of Germany Dr. Peter Woeste and Mrs. Regina request the pleasure of the company of Ms. Henriette Doktor to a Reception on Friday, 3 October 2014 at 18.30 hours."






Absender war der deutsche Botschafter in Lilongwe, welcher alle Freiwilligen einlud, den Tag der deutschen Einheit in seiner Residenz zu feiern. Wer könnte da nein sagen? Außerdem bat er uns in einer persönlicheren E-mail, ob wir ihn bei der Durchführung der Feier unterstützen könnten. Am 3. Oktober kamen deshalb alle Kolping-Freiwilligen aus den verschiedenen Ecken Malawis zu uns in die Hauptstadt gereist. Um einige am Busdepot abholen zu können, habe ich mir den Nachmittag von der Arbeit freinehmen dürfen. Das war kein Problem, nur musste ich als Ausgleich meinen Kollegen alles über diesen Nationalfeiertag erzählen. Von der Geschichte Deutschlands kennen viele Malawier wenige Ereignisse und leider nur die, derer wir uns nicht gerade rühmen können. So ist die Beteiligung am 1. und 2. Weltkrieg den meisten bekannt und wenn man zum Beispiel auf der Straße angesprochen wird und auf die Frage, woher man denn komme, mit „from Germany“ antwortet, dann fällt vielen Malawiern als Persönlichkeit spontan nur Adolf Hitler ein und ich musste schon einige male versichern, dass der nun wirklich schon eine Weile tot ist. Meine Kollegen wussten etwas mehr und so konnte ich von der Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg und der anschließenden Wiedervereinigung erzählen. Ich denke, an diesem Punkt war meinen Kollegen dann sehr gut verständlich, warum der Tag der deutschen Einheit bei uns als Nationalfeiertag begangen wird. Doch mich hat die Unterhaltung diesbezüglich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich muss gestehen, dass ich in den vergangenen Jahren den Tag der deutschen Einheit eher als willkommenen freien Tag gesehen habe, dabei jedoch nie intensiv an die Wiedervereinigung gedacht habe. Ich habe es auch noch nie erlebt, dass jemand diesen Tag in Deutschland wirklich gefeiert hätte. Bin ich mir Deutschlands Vergangenheit so wenig bewusst? Diese Ereignisse sind doch erst etwas mehr als 24 Jahre her! Ich musste also bis nach Malawi reisen, um mir der Wichtigkeit dieses Tages bewusst zu werden. Verrückt! Besonders die Augen dafür geöffnet haben mir meine beiden Mitfreiwilligen Jooye und Mary. Die zwei jungen Frauen kommen aus Südkorea und warten darauf, dass auch ihr Land sich irgendwann wieder vereint. Vergleicht man die derzeitige Situation in Korea mit der Situation vor 1989 in Ostdeutschland, so fallen einem schon einige Parallelen auf. So war es für die Bewohner der DDR nicht möglich, ihr Land ohne Erlaubnis zu verlassen. Sie waren sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten. Auch Südkorea befindet sich nach den Erzählungen von Jooye und Mary in einer ähnlichen Lage. Zwischen Südkorea und dem Festland liegt nun einmal Nordkorea und somit eine derzeit unüberwindbare Grenze. Südkorea ist gewissermaßen zu einer Halbinsel geworden und kann Kontakt zur Außenwelt nur über den See- oder Luftweg aufnehmen. Außerdem sind wohl auch hier Familien getrennt, von denen ein Teil im Norden und der andere im Süden Koreas lebt. Diese Menschen hoffen verständlicherweise stark auf eine Wiedervereinigung ihres Landes und obwohl weder Jooye noch Mary Verwandte im Norden haben, hegen sie den selben Wunsch. Durch dieses Gespräch sehe ich nun den Tag der deutschen Einheit mit ganz anderen Augen!
Die Feier in der Botschaft am Abend des 3. Oktobers kann man jedenfalls als sehr gelungen bezeichnen! Wir Helfenden waren etwas früher als die anderen Gäste an Ort und Stelle und haben die Mitarbeiter in der Residenz bei den Vorbereitungen tatkräftig unterstützt. So haben wir zum Beispiel den Garten der Botschaft mit Luftballons und Girlanden in schwarz-rot-gold geschmückt und später Willkommenshäppchen für die Gäste belegt. 
Peter-Paul, Johanna, Désirée und ich beim Schmücken des Gartens (Foto von Carlotta Schmidt)

Carlotta, Carmen, Jana, Peter-Paul, Désirée und ich überglücklich beim Belegen der Brote (Foto von Carlotta Schmidt)

Der Botschafter hat dafür extra von seiner letzten Deutschlandreise Brot und Käse mitgebracht – ein Highlight für uns Freiwillige! In Malawi gibt es nämlich kein Schwarzbrot, sonder nur helles Brot, welches man bei uns wahrscheinlich als Toastbrot bezeichnen würde und die wenigen Käsesorten schmecken ganz anders als gewohnt. Es ist unglaublich, wie sehr man solche simplen Dinge schon nach knapp zwei Monaten vermissen kann! Später gab es noch einige offizielle Reden, welche auf Englisch gehalten wurden, da nicht nur alle derzeit in Malawi befindlichen deutschen Staatsbürger eingeladen waren, sondern auch alle anderen Botschafter und weitere wichtige Persönlichkeiten. Dafür war die Musik, die am frühen Abend gespielt wurde, deutschsprachig. „99 Luftballons“ von Nena lief bestimmt dreimal, bevor die Musik im Verlaufe des Abends immer internationaler wurde und sich die Tanzfläche füllte.
Es wird getanzt! (Foto von Carlotta Schmidt)
Mir hat dieser Abend sehr gut gefallen, da man auch die Möglichkeit hatte, Freiwillige von anderen Organisationen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Außerdem hatten wir an diesem Wochenende mit unseren Gästen ein volles Haus und somit unglaublich viel Spaß! Danke dafür an alle!

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