Im vergangenen Monat habe ich eine sehr
formell wirkende Einladung erhalten:
"On the occasion of the Day of German Unity The Ambassador of the Federal Republic of Germany Dr. Peter Woeste and Mrs. Regina request the pleasure of the company of Ms. Henriette Doktor to a Reception on Friday, 3 October 2014 at 18.30 hours."
Absender war der deutsche
Botschafter in Lilongwe, welcher alle Freiwilligen einlud, den Tag
der deutschen Einheit in seiner Residenz zu feiern. Wer könnte da
nein sagen? Außerdem bat er uns in einer persönlicheren E-mail, ob
wir ihn bei der Durchführung der Feier unterstützen könnten. Am 3.
Oktober kamen deshalb alle Kolping-Freiwilligen aus den verschiedenen
Ecken Malawis zu uns in die Hauptstadt gereist. Um einige am Busdepot
abholen zu können, habe ich mir den Nachmittag von der Arbeit
freinehmen dürfen. Das war kein Problem, nur musste ich als
Ausgleich meinen Kollegen alles über diesen Nationalfeiertag
erzählen. Von der Geschichte Deutschlands kennen viele Malawier
wenige Ereignisse und leider nur die, derer wir uns nicht gerade
rühmen können. So ist die Beteiligung am 1. und 2. Weltkrieg den
meisten bekannt und wenn man zum Beispiel auf der Straße
angesprochen wird und auf die Frage, woher man denn komme, mit „from
Germany“ antwortet, dann fällt vielen Malawiern als Persönlichkeit
spontan nur Adolf Hitler ein und ich musste schon einige male
versichern, dass der nun wirklich schon eine Weile tot ist. Meine
Kollegen wussten etwas mehr und so konnte ich von der Teilung
Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg und der anschließenden
Wiedervereinigung erzählen. Ich denke, an diesem Punkt war meinen
Kollegen dann sehr gut verständlich, warum der Tag der deutschen
Einheit bei uns als Nationalfeiertag begangen wird. Doch mich hat die
Unterhaltung diesbezüglich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich muss
gestehen, dass ich in den vergangenen Jahren den Tag der deutschen
Einheit eher als willkommenen freien Tag gesehen habe, dabei jedoch
nie intensiv an die Wiedervereinigung gedacht habe. Ich habe es auch
noch nie erlebt, dass jemand diesen Tag in Deutschland wirklich
gefeiert hätte. Bin ich mir Deutschlands Vergangenheit so wenig
bewusst? Diese Ereignisse sind doch erst etwas mehr als 24 Jahre her!
Ich musste also bis nach Malawi reisen, um mir der Wichtigkeit dieses
Tages bewusst zu werden. Verrückt! Besonders die Augen dafür
geöffnet haben mir meine beiden Mitfreiwilligen Jooye und Mary. Die
zwei jungen Frauen kommen aus Südkorea und warten darauf, dass auch
ihr Land sich irgendwann wieder vereint. Vergleicht man die
derzeitige Situation in Korea mit der Situation vor 1989 in
Ostdeutschland, so fallen einem schon einige Parallelen auf. So war
es für die Bewohner der DDR nicht möglich, ihr Land ohne Erlaubnis
zu verlassen. Sie waren sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten.
Auch Südkorea befindet sich nach den Erzählungen von Jooye und Mary
in einer ähnlichen Lage. Zwischen Südkorea und dem Festland liegt
nun einmal Nordkorea und somit eine derzeit unüberwindbare Grenze.
Südkorea ist gewissermaßen zu einer Halbinsel geworden und kann
Kontakt zur Außenwelt nur über den See- oder Luftweg aufnehmen.
Außerdem sind wohl auch hier Familien getrennt, von denen ein Teil
im Norden und der andere im Süden Koreas lebt. Diese Menschen hoffen
verständlicherweise stark auf eine Wiedervereinigung ihres Landes
und obwohl weder Jooye noch Mary Verwandte im Norden haben, hegen sie
den selben Wunsch. Durch dieses Gespräch sehe ich nun den Tag der
deutschen Einheit mit ganz anderen Augen!
Die Feier in der Botschaft am Abend des
3. Oktobers kann man jedenfalls als sehr gelungen bezeichnen! Wir
Helfenden waren etwas früher als die anderen Gäste an Ort und
Stelle und haben die Mitarbeiter in der Residenz bei den
Vorbereitungen tatkräftig unterstützt. So haben wir zum Beispiel
den Garten der Botschaft mit Luftballons und Girlanden in
schwarz-rot-gold geschmückt und später Willkommenshäppchen für
die Gäste belegt.
| Peter-Paul, Johanna, Désirée und ich beim Schmücken des Gartens (Foto von Carlotta Schmidt) |
| Carlotta, Carmen, Jana, Peter-Paul, Désirée und ich überglücklich beim Belegen der Brote (Foto von Carlotta Schmidt) |
Der Botschafter hat dafür extra von seiner
letzten Deutschlandreise Brot und Käse mitgebracht – ein Highlight
für uns Freiwillige! In Malawi gibt es nämlich kein Schwarzbrot,
sonder nur helles Brot, welches man bei uns wahrscheinlich als
Toastbrot bezeichnen würde und die wenigen Käsesorten schmecken
ganz anders als gewohnt. Es ist unglaublich, wie sehr man solche
simplen Dinge schon nach knapp zwei Monaten vermissen kann! Später
gab es noch einige offizielle Reden, welche auf Englisch gehalten
wurden, da nicht nur alle derzeit in Malawi befindlichen deutschen
Staatsbürger eingeladen waren, sondern auch alle anderen Botschafter
und weitere wichtige Persönlichkeiten. Dafür war die Musik, die am
frühen Abend gespielt wurde, deutschsprachig. „99 Luftballons“
von Nena lief bestimmt dreimal, bevor die Musik im Verlaufe des
Abends immer internationaler wurde und sich die Tanzfläche füllte.
| Es wird getanzt! (Foto von Carlotta Schmidt) |
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