Montag, 13. April 2015

"Nichts ist für immer...

... das einzige was gleich bleibt, ist die Veränderung!" (Ein Mensch rennt - Frittenbude)
Im Februar musste ich mich von meinen beiden Mitfreiwilligen Mary und Jooye verabschieden. Die beiden waren mit ihrer Organisation KFHI (Korean Food for the Hungry International) für ein Jahr in Malawi und haben in dieser Zeit im House of Hope gearbeitet. Der Abschied fiel beiden sichtlich schwer, aber auch die Vorfreude auf Südkorea, ihre Familien und Freunde war ihnen anzusehen. Die beiden Klassen, die sie unterrichtet haben, sind nun in Bernhards und meinen Aufgabenbereich gefallen. Jeden Dienstag und Donnerstag unterrichten wir nun gemeinsam 30 Zweit- und Drittklässler in Englisch, Mathe und Kunst.
Gemeinsame Mittagspause im Büro: Mary, Jooye und Bernhard
Gruppenfoto im Klassenzimmer! hinten: Mary, Susan und Watch vorne: Luis, ich und Partum

...und auf dem Schulhof!



Dafür war im März meine Vorfreiwillige Lisa zu Besuch in Malawi und hat natürlich auch im House of Hope vorbei geschaut. Es war wunderschön mit anzusehen, wie die älteren Kinder aus der nursery sie nach einer kurzen Sekunde der Verwirrung wiedererkannt haben! Dieser Moment des Erkennens hat mir gezeigt, dass sich die Kindergartenkinder trotz der jährlich wechselnden Freiwilligen dennoch an die gemeinsam verbrachte Zeit erinnern...
Bernhard, ich, Lisa und Takondwa vor der Kirche des House of Hope
Danke an Mary und Jooye für die gemeinsam verbrachten 6 Monate und den regelmäßigen tri-kulturellen Austausch! In der Mittagspause wurden nämlich so manches mal Chichewa, Koreanisch und Deutsch gelernt! Zikomo! 감사합니다 (Gamsahamnida!) Danke!
Und auch vielen Dank an Lisa für das Gespräch in der Mittagssonne auf dem Spielplatz, das mir so einige Anregungen, Tips und einen Haufen neuer Motivation gegeben hat!

Samstag, 7. März 2015

Eine afrikanische Heldengeschichte

Vor kurzem habe ich im Bücherschrank unserer WG nach einem neuen Buch gesucht, welches ich in meiner täglichen Mittagspause lesen könnte. Dabei fiel mir dieses hier in die Hände:

Der Junge, der den Wind einfing“ von William Kamkwamba und Bryan Mealer

Das Buch ist eigentlich eine Autobiografie und erzählt die Geschichte von William Kamkwamba, einem Jungen, der in einem kleinen Dorf in Malawi aufwächst. Wie in vielen Dörfern dieses Landes, gibt es auch in seinem Elternhaus keinen Strom. Um dies zu ändern, beginnt William aus Schrottteilen, Müll und wenigen zusammengesparten Stücken, ein Windrad zu bauen.
Doch die Geschichte beschränkt sich nicht nur auf seine physikalischen Überlegungen und Experimente, sondern sie beschreibt auch den Alltag vieler Menschen in Malawi. So werden unter anderem auch viele Probleme angesprochen. Es wird von fehlendem Schulgeld berichtet, von Hunger in Zeiten schlechter Ernte und von korrupter Politik.
Wer einen kleinen Einblick in das dörfliche Leben in Malawi bekommen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Es ist unglaublich spannend geschrieben und liest sich sehr gut. Nebenher bekommt man sogar einen ersten kleinen Sprachkurs in Chichewa. Vielleicht kann dieses Buch euch ein Land zeigen, welches ich so schwer beschreiben kann, da mir oft die richtigen Worte fehlen. Ich musste während des Lesens auch immer wieder inne halten und leise lächeln, da mir viele beschriebene Situationen und Gegebenheiten inzwischen bekannt und vertraut sind. Jeder Name eines Ortes oder einer Stadt, welchen ich kenne, war wie ein kleiner Wink an mich, wie ein freundliches Zwinkern. Ich glaube, ich bin langsam in Malawi angekommen! Beim Lesen tauchten vor meinem inneren Auge unaufhörlich Bilder auf, die ich jeden Tag aufs neue erlebe. Besonders in dem Stadtteil in dem ich arbeite, bin ich immer wieder fasziniert von der Kreativität der Kinder. Wenn ich am Morgen aus dem Minibus steige, dann sehe ich oft ein paar Jungs, die vor den Lokalen die leeren Bierkartons des lokalen Maisbieres Chibuku einsammeln, welche am vergangenen Abend achtlos auf die Straße geworfen wurden. Verlasse ich später am Tag meine Arbeitsstelle wieder und mache mich auf den Rückweg, so sind aus diesen Tetrapacks Spielzeugautos entstanden, die an einem langen Stab durch die Straßen geschoben werden. Vier Kronkorken als Räder, Stöcke als Verbindungsachsen, der Karton, der die Karosserie bildet und schon können wilde Autorennen veranstaltet werden...

Montag, 19. Januar 2015

Disaster area

Viel zu spät hat letztes Jahr die Regenzeit in Malawi begonnen. Normal wäre Ende November oder Anfang Dezember gewesen, doch die Malawier mussten bis Ende Dezember auf den ersten richtigen Regen warten. Als es dann endlich das erste Mal wie aus Eimern goss, war die Freude riesig! Endlich konnte mit dem Maisanbau begonnen werden. Jedes verfügbare Stück Erde wurde umgegraben und für die Aussaat vorbereitet. Wahrscheinlich hat jeder malawischer Haushalt einen Flecken Erde, sei es ein richtiges Feld oder nur zwei Meter vor dem eigenen Haus, auf dem Mais angebaut wird, denn das ist hier das Hauptnahrungsmittel. Aus Maismehl wird zum Frühstück phala (ein süßer Brei) gekocht, zum Mittag gibt es dann nsima (ein herzhafter Brei). Viele Frauen verkaufen am Straßenrand ein milchähnliches, nahrhaftes Getränk, welches aus Mais zubereitet wird und auch Bier und Schnaps werden aus Mais gebraut. Man findet auch Grillstände entlang der Straße, an denen Männer frisch gegrillten Mais verkaufen und manche Frauen tragen in großen Körben gekochten Mais auf dem Kopf, der so frisch zubereitet gleich verzehrt werden kann. Mais ist also wahrscheinlich das wichtigste Lebensmittel Malawis und endlich konnte er angebaut werden. Die Freude war wirklich unbeschreiblich!
Doch in den letzten Wochen hat sich die Stimmung merklich verändert. Der Regen schien die verpasste Zeit aufholen zu wollen und wurde stärker und stärker, bis es nun zur Katastrophe kam. Der Süden Malawis steht unter Wasser! Ganze Dörfer wurden einfach fortgespült. Die erschreckende Bilanz bisher: 48 Tote, zahlreiche Vermisste und 50 000 Flüchtlinge, die aus den überspülten Gebieten geflohen sind. Viele Menschen haben über Nacht alles verloren. Der malawische Präsident Peter Mutharika hat letzte Woche nun endlich ein Drittel des Landes als Katastrophengebiet (disaster area) ausrufen lassen und internationale Hilfe angefordert.
Das schreckenerregendste an dieser Situation war für mich meine tagelange Unwissenheit! Ich habe hier in der Haupstadt Lilongwe viel zu lange nichts von der Katastrophe mitbekommen. Auch hier hat es sehr stark geregnet, die Straßen verwandelten sich teilweise in Flüsse und mein Mentor Elia hat auf Arbeit ein paar ernste Worte an uns gerichtet. Die Area in der ich arbeite, gleicht nämlich eher einem Dorf und die Häuser sind nur unzureichend befestigt. In der Regenzeit kommt es immer wieder dazu, dass Häuser einstürzen und die Bewohner mit in den Tod reißen, wenn diese schlafen, weshalb uns Elia gebeten hat, für die Menschen in Area 24 zu beten. Ende letzten Jahres ist wohl auch ein Kind aus dieser Gegend auf Grund der starken Regenfälle verstorben. Eine Stromleitung hatte sich von den Masten gelösten und lag quer über einer der kleinen Straßen, weshalb das Kind, als es sich schnell vor dem Regen nach Hause retten wollte, darauf trat. Trotz all dieser schrecklichen Zeichen, habe ich von der eigentlichen Katastrophe erst durch die deutschen Nachrichten erfahren. Wie konnte das passieren? Wie kann man so nah am Geschehen sein und trotzdem nichts davon mitbekommen? Erst heute habe ich mich durch eine malawische Tageszeitung, die auf Arbeit herum lag, genauer über die derzeitige Lage informieren können. Diese ist schon erschreckend genug, doch auch der Blick in die Zukunft ist düster. Da durch die Flut auch viele Felder und mit ihnen die kleinen neu aus dem Boden gebrochenen Maispflanzen zerstört wurden, droht den Bewohnern Malawis in absehbarer Zeit eine Hungersnot. Viele Menschen, die nur für den Eingenbedarf, also für das Überleben ihrer Familie angebaut haben, stehen nun vor einem Scherbenhaufen. In ganz Malawi wird das Hauptnahrungsmittel Mais fehlen. Nun stellt sich mir natürlich die Frage: Was kann ich tun? Die ersten Sammelaktionen am letzten Donnerstag und Freitag habe ich leider verpasst. Hier in Lilongwe wurden an einem zentralen Punkt warme Kleidung, Maismehl und Schecks angenommen, welche so schnell wie möglich an Bedürftige verteilt werden sollen. Doch das sind erstmal nur kurzfristige Maßnahmen, die zur ersten Hilfe beitragen. Was wird später zur Problemlösung beigetragen werden und was kann ich dann tun? Das kann zur Zeit wohl noch niemand sagen, aber für mich steht fest, dass ich mich in Zukunft besser informieren werde. Ich möchte wissen, was in dem Land vorgeht, in welchem ich derzeit lebe! Ein erster Schritt für mich ist es, regelmäßig die lokalen Zeitungen zu lesen...

Donnerstag, 1. Januar 2015

Stille Nacht?

Weihnachten ist für mich ein Fest, das vor allem durch seine vielfältige Traditionen erst so richtig lebendig wird. Da wäre das Plätzchen und Pfefferkuchen backen in der Adventszeit mit der Familie. Die Besorgung des Tannenbaums, meist aus dem eigenen Garten. Das Schmücken am Weihnachtsmorgen und später am Nachmittag der gemeinsame Gang zur Kinderchristnacht, um das Krippenspiel anzusehen. Danach das Beisammen sitzen unterm Tannenbaum, mit gemeinsamem Musizieren und irgendwann die Bescherung, bevor es durch die schon hereingebrochene Dunkelheit warm eingemummelt zur Christnacht geht. Doch dieses Jahr habe ich viele Traditionen gebrochen und so einige kreativ abgewandelt!
Weihnachten ist für mich vor allem ein Fest, an dem niemand allein sein sollte. Schließlich haben sich ja vor gut 2000 Jahren die verschiedensten Personen an einer Krippe in Bethlehem versammelt, um das neugeborene Jesuskind zu begrüßen. Deshalb war es eine wundervolle Entscheidung von meinem Mitbewohner Robert, seine Ausreisegruppe zu uns in die WG einzuladen, denn so weit entfernt von Familie und Freunden kann man sich schon mal einsam fühlen. So aber hatten wir unzählige andere Freiwillige zu Gast und ich hatte mit Charlie sogar Besuch aus Deutschland. Während der Adventszeit hat sich wohl bei keinem Freiwilligen eine richtige Weihnachtsstimmung eingestellt. Zum einen war es einfach zu warm. Natürlich ist auch in Deutschland nicht jedes Jahr weiße Weihnacht, sondern viel häufiger ist es eher kühl und regnerisch, doch in Malawi ist zur Zeit ja Sommer und Weihnachten im T-Shirt bei fast 30 Grad zu feiern, ist doch etwas ungewohnt. Zum anderen fehlte mir die Atmosphäre, die für mich sonst durch Weihnachtsschmuck wie Sterne, Schwippbögen und Kerzen entsteht. Weihnachtsdekoration habe ich hier in Lilongwe nur im Supermarkt gefunden und dort hing sie schon seit Ende Oktober. Die anfängliche Begeisterung war da nach ein paar Wochen schon wieder verflogen. Kurzerhand haben wir deshalb beschlossen, unser Wohnzimmer etwas herzurichten. In einer kleinen Blechdose im Regal fanden sich sogar kleine Christbaumkugeln, Strohsterne und eine glänzende Happy-Birthday-Girlande. Die Girlande wurde nach kurzer Diskussion über dem Fenster aufgespannt, schließlich gedenken wir Weihnachten ja der Geburt Jesu Christi, Glückwünsche erschienen einem Teil von uns da ganz passend. Nur für den Christbaumschmuck fehlte uns noch der geeignete Platz, bis jemand einen grünen Ast von draußen hereinbrachte, der von uns in eine Flasche gestellt als Tannenbaum umfunktioniert wurde. Auch das Weihnachtsessen wurde dieses Jahr etwas anders interpretiert als sonst. Da wir größtenteils auf dem Markt einkaufen gehen und den Supermarkt nur für besondere Wünsche aufsuchen, gibt es eigentlich immer Obst und Gemüse der Saison. Für Weihnachten bedeutete dies Essen im Stil einer Grillparty. Zum Abendessen gab es Nudel- und Kartoffelsalat und Gemüsespieße, die wir über den Tag gemeinsam zubereitet hatten.
Gemütliches Abendessen
Und mit der Dunkelheit kam die Überraschung des Tages! Kaum verschwand die Sonne hinter dem Horizont, hörte man es draußen knallen und krachen und am Himmel waren vereinzelt bunte Raketen zu sehen, die die Nachbarskinder fröhlich auf der Straße zündeten. Stille Nacht? Fehlanzeige! Scheinbar beginnt man mit dem Feuerwerk in Malawi schon in der Weihnachtszeit und nicht erst Silvester. Schon auf ein bisschen Lärm eingestellt, begaben wir uns dann spätabends zum „Amazone“ einem Club hier in Lilongwe, um zusammen in den nächsten Tag zu tanzen. Und nicht nur wir hatten diese Idee. Scheinbar waren alle Bewohner Lilongwes, die alt genug, aber noch nicht zu alt waren (oder sich noch nicht zu alt fühlten), dort versammelt. Da hat das Tanzen gleich doppelt Spaß gemacht!
Tanzen im Amazone (Foto von Charlie)
Dieses Weihnachten war eindeutig anders als die, welche ich vorher erlebt habe. Es war ungewohnt, laut und warm und voll von mir vorher unbekannten Menschen! Und trotzdem war es gut!