Donnerstag, 1. Januar 2015

Stille Nacht?

Weihnachten ist für mich ein Fest, das vor allem durch seine vielfältige Traditionen erst so richtig lebendig wird. Da wäre das Plätzchen und Pfefferkuchen backen in der Adventszeit mit der Familie. Die Besorgung des Tannenbaums, meist aus dem eigenen Garten. Das Schmücken am Weihnachtsmorgen und später am Nachmittag der gemeinsame Gang zur Kinderchristnacht, um das Krippenspiel anzusehen. Danach das Beisammen sitzen unterm Tannenbaum, mit gemeinsamem Musizieren und irgendwann die Bescherung, bevor es durch die schon hereingebrochene Dunkelheit warm eingemummelt zur Christnacht geht. Doch dieses Jahr habe ich viele Traditionen gebrochen und so einige kreativ abgewandelt!
Weihnachten ist für mich vor allem ein Fest, an dem niemand allein sein sollte. Schließlich haben sich ja vor gut 2000 Jahren die verschiedensten Personen an einer Krippe in Bethlehem versammelt, um das neugeborene Jesuskind zu begrüßen. Deshalb war es eine wundervolle Entscheidung von meinem Mitbewohner Robert, seine Ausreisegruppe zu uns in die WG einzuladen, denn so weit entfernt von Familie und Freunden kann man sich schon mal einsam fühlen. So aber hatten wir unzählige andere Freiwillige zu Gast und ich hatte mit Charlie sogar Besuch aus Deutschland. Während der Adventszeit hat sich wohl bei keinem Freiwilligen eine richtige Weihnachtsstimmung eingestellt. Zum einen war es einfach zu warm. Natürlich ist auch in Deutschland nicht jedes Jahr weiße Weihnacht, sondern viel häufiger ist es eher kühl und regnerisch, doch in Malawi ist zur Zeit ja Sommer und Weihnachten im T-Shirt bei fast 30 Grad zu feiern, ist doch etwas ungewohnt. Zum anderen fehlte mir die Atmosphäre, die für mich sonst durch Weihnachtsschmuck wie Sterne, Schwippbögen und Kerzen entsteht. Weihnachtsdekoration habe ich hier in Lilongwe nur im Supermarkt gefunden und dort hing sie schon seit Ende Oktober. Die anfängliche Begeisterung war da nach ein paar Wochen schon wieder verflogen. Kurzerhand haben wir deshalb beschlossen, unser Wohnzimmer etwas herzurichten. In einer kleinen Blechdose im Regal fanden sich sogar kleine Christbaumkugeln, Strohsterne und eine glänzende Happy-Birthday-Girlande. Die Girlande wurde nach kurzer Diskussion über dem Fenster aufgespannt, schließlich gedenken wir Weihnachten ja der Geburt Jesu Christi, Glückwünsche erschienen einem Teil von uns da ganz passend. Nur für den Christbaumschmuck fehlte uns noch der geeignete Platz, bis jemand einen grünen Ast von draußen hereinbrachte, der von uns in eine Flasche gestellt als Tannenbaum umfunktioniert wurde. Auch das Weihnachtsessen wurde dieses Jahr etwas anders interpretiert als sonst. Da wir größtenteils auf dem Markt einkaufen gehen und den Supermarkt nur für besondere Wünsche aufsuchen, gibt es eigentlich immer Obst und Gemüse der Saison. Für Weihnachten bedeutete dies Essen im Stil einer Grillparty. Zum Abendessen gab es Nudel- und Kartoffelsalat und Gemüsespieße, die wir über den Tag gemeinsam zubereitet hatten.
Gemütliches Abendessen
Und mit der Dunkelheit kam die Überraschung des Tages! Kaum verschwand die Sonne hinter dem Horizont, hörte man es draußen knallen und krachen und am Himmel waren vereinzelt bunte Raketen zu sehen, die die Nachbarskinder fröhlich auf der Straße zündeten. Stille Nacht? Fehlanzeige! Scheinbar beginnt man mit dem Feuerwerk in Malawi schon in der Weihnachtszeit und nicht erst Silvester. Schon auf ein bisschen Lärm eingestellt, begaben wir uns dann spätabends zum „Amazone“ einem Club hier in Lilongwe, um zusammen in den nächsten Tag zu tanzen. Und nicht nur wir hatten diese Idee. Scheinbar waren alle Bewohner Lilongwes, die alt genug, aber noch nicht zu alt waren (oder sich noch nicht zu alt fühlten), dort versammelt. Da hat das Tanzen gleich doppelt Spaß gemacht!
Tanzen im Amazone (Foto von Charlie)
Dieses Weihnachten war eindeutig anders als die, welche ich vorher erlebt habe. Es war ungewohnt, laut und warm und voll von mir vorher unbekannten Menschen! Und trotzdem war es gut!

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