Weihnachten ist für mich ein Fest, das
vor allem durch seine vielfältige Traditionen erst so richtig
lebendig wird. Da wäre das Plätzchen und Pfefferkuchen backen in
der Adventszeit mit der Familie. Die Besorgung des Tannenbaums, meist
aus dem eigenen Garten. Das Schmücken am Weihnachtsmorgen und später
am Nachmittag der gemeinsame Gang zur Kinderchristnacht, um das
Krippenspiel anzusehen. Danach das Beisammen sitzen unterm
Tannenbaum, mit gemeinsamem Musizieren und irgendwann die Bescherung,
bevor es durch die schon hereingebrochene Dunkelheit warm
eingemummelt zur Christnacht geht. Doch dieses Jahr habe ich viele
Traditionen gebrochen und so einige kreativ abgewandelt!
Weihnachten ist für mich vor allem ein
Fest, an dem niemand allein sein sollte. Schließlich haben sich ja
vor gut 2000 Jahren die verschiedensten Personen an einer Krippe in
Bethlehem versammelt, um das neugeborene Jesuskind zu begrüßen.
Deshalb war es eine wundervolle Entscheidung von meinem Mitbewohner
Robert, seine Ausreisegruppe zu uns in die WG einzuladen, denn so
weit entfernt von Familie und Freunden kann man sich schon mal einsam
fühlen. So aber hatten wir unzählige andere Freiwillige zu Gast und
ich hatte mit Charlie sogar Besuch aus Deutschland. Während der
Adventszeit hat sich wohl bei keinem Freiwilligen eine richtige
Weihnachtsstimmung eingestellt. Zum einen war es einfach zu warm.
Natürlich ist auch in Deutschland nicht jedes Jahr weiße Weihnacht,
sondern viel häufiger ist es eher kühl und regnerisch, doch in
Malawi ist zur Zeit ja Sommer und Weihnachten im T-Shirt bei fast 30
Grad zu feiern, ist doch etwas ungewohnt. Zum anderen fehlte mir die
Atmosphäre, die für mich sonst durch Weihnachtsschmuck wie Sterne,
Schwippbögen und Kerzen entsteht. Weihnachtsdekoration habe ich hier
in Lilongwe nur im Supermarkt gefunden und dort hing sie schon seit
Ende Oktober. Die anfängliche Begeisterung war da nach ein paar
Wochen schon wieder verflogen. Kurzerhand haben wir deshalb
beschlossen, unser Wohnzimmer etwas herzurichten. In einer kleinen
Blechdose im Regal fanden sich sogar kleine Christbaumkugeln,
Strohsterne und eine glänzende Happy-Birthday-Girlande. Die Girlande
wurde nach kurzer Diskussion über dem Fenster aufgespannt,
schließlich gedenken wir Weihnachten ja der Geburt Jesu Christi,
Glückwünsche erschienen einem Teil von uns da ganz passend. Nur für
den Christbaumschmuck fehlte uns noch der geeignete Platz, bis jemand
einen grünen Ast von draußen hereinbrachte, der von uns in eine
Flasche gestellt als Tannenbaum umfunktioniert wurde. Auch das
Weihnachtsessen wurde dieses Jahr etwas anders interpretiert als
sonst. Da wir größtenteils auf dem Markt einkaufen gehen und den
Supermarkt nur für besondere Wünsche aufsuchen, gibt es eigentlich
immer Obst und Gemüse der Saison. Für Weihnachten bedeutete dies
Essen im Stil einer Grillparty. Zum Abendessen gab es Nudel- und
Kartoffelsalat und Gemüsespieße, die wir über den Tag gemeinsam
zubereitet hatten.
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| Gemütliches Abendessen |
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| Tanzen im Amazone (Foto von Charlie) |
Dieses Weihnachten war eindeutig anders
als die, welche ich vorher erlebt habe. Es war ungewohnt, laut und
warm und voll von mir vorher unbekannten Menschen! Und trotzdem war
es gut!


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