Montag, 13. April 2015

"Nichts ist für immer...

... das einzige was gleich bleibt, ist die Veränderung!" (Ein Mensch rennt - Frittenbude)
Im Februar musste ich mich von meinen beiden Mitfreiwilligen Mary und Jooye verabschieden. Die beiden waren mit ihrer Organisation KFHI (Korean Food for the Hungry International) für ein Jahr in Malawi und haben in dieser Zeit im House of Hope gearbeitet. Der Abschied fiel beiden sichtlich schwer, aber auch die Vorfreude auf Südkorea, ihre Familien und Freunde war ihnen anzusehen. Die beiden Klassen, die sie unterrichtet haben, sind nun in Bernhards und meinen Aufgabenbereich gefallen. Jeden Dienstag und Donnerstag unterrichten wir nun gemeinsam 30 Zweit- und Drittklässler in Englisch, Mathe und Kunst.
Gemeinsame Mittagspause im Büro: Mary, Jooye und Bernhard
Gruppenfoto im Klassenzimmer! hinten: Mary, Susan und Watch vorne: Luis, ich und Partum

...und auf dem Schulhof!



Dafür war im März meine Vorfreiwillige Lisa zu Besuch in Malawi und hat natürlich auch im House of Hope vorbei geschaut. Es war wunderschön mit anzusehen, wie die älteren Kinder aus der nursery sie nach einer kurzen Sekunde der Verwirrung wiedererkannt haben! Dieser Moment des Erkennens hat mir gezeigt, dass sich die Kindergartenkinder trotz der jährlich wechselnden Freiwilligen dennoch an die gemeinsam verbrachte Zeit erinnern...
Bernhard, ich, Lisa und Takondwa vor der Kirche des House of Hope
Danke an Mary und Jooye für die gemeinsam verbrachten 6 Monate und den regelmäßigen tri-kulturellen Austausch! In der Mittagspause wurden nämlich so manches mal Chichewa, Koreanisch und Deutsch gelernt! Zikomo! 감사합니다 (Gamsahamnida!) Danke!
Und auch vielen Dank an Lisa für das Gespräch in der Mittagssonne auf dem Spielplatz, das mir so einige Anregungen, Tips und einen Haufen neuer Motivation gegeben hat!

Samstag, 7. März 2015

Eine afrikanische Heldengeschichte

Vor kurzem habe ich im Bücherschrank unserer WG nach einem neuen Buch gesucht, welches ich in meiner täglichen Mittagspause lesen könnte. Dabei fiel mir dieses hier in die Hände:

Der Junge, der den Wind einfing“ von William Kamkwamba und Bryan Mealer

Das Buch ist eigentlich eine Autobiografie und erzählt die Geschichte von William Kamkwamba, einem Jungen, der in einem kleinen Dorf in Malawi aufwächst. Wie in vielen Dörfern dieses Landes, gibt es auch in seinem Elternhaus keinen Strom. Um dies zu ändern, beginnt William aus Schrottteilen, Müll und wenigen zusammengesparten Stücken, ein Windrad zu bauen.
Doch die Geschichte beschränkt sich nicht nur auf seine physikalischen Überlegungen und Experimente, sondern sie beschreibt auch den Alltag vieler Menschen in Malawi. So werden unter anderem auch viele Probleme angesprochen. Es wird von fehlendem Schulgeld berichtet, von Hunger in Zeiten schlechter Ernte und von korrupter Politik.
Wer einen kleinen Einblick in das dörfliche Leben in Malawi bekommen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Es ist unglaublich spannend geschrieben und liest sich sehr gut. Nebenher bekommt man sogar einen ersten kleinen Sprachkurs in Chichewa. Vielleicht kann dieses Buch euch ein Land zeigen, welches ich so schwer beschreiben kann, da mir oft die richtigen Worte fehlen. Ich musste während des Lesens auch immer wieder inne halten und leise lächeln, da mir viele beschriebene Situationen und Gegebenheiten inzwischen bekannt und vertraut sind. Jeder Name eines Ortes oder einer Stadt, welchen ich kenne, war wie ein kleiner Wink an mich, wie ein freundliches Zwinkern. Ich glaube, ich bin langsam in Malawi angekommen! Beim Lesen tauchten vor meinem inneren Auge unaufhörlich Bilder auf, die ich jeden Tag aufs neue erlebe. Besonders in dem Stadtteil in dem ich arbeite, bin ich immer wieder fasziniert von der Kreativität der Kinder. Wenn ich am Morgen aus dem Minibus steige, dann sehe ich oft ein paar Jungs, die vor den Lokalen die leeren Bierkartons des lokalen Maisbieres Chibuku einsammeln, welche am vergangenen Abend achtlos auf die Straße geworfen wurden. Verlasse ich später am Tag meine Arbeitsstelle wieder und mache mich auf den Rückweg, so sind aus diesen Tetrapacks Spielzeugautos entstanden, die an einem langen Stab durch die Straßen geschoben werden. Vier Kronkorken als Räder, Stöcke als Verbindungsachsen, der Karton, der die Karosserie bildet und schon können wilde Autorennen veranstaltet werden...

Montag, 19. Januar 2015

Disaster area

Viel zu spät hat letztes Jahr die Regenzeit in Malawi begonnen. Normal wäre Ende November oder Anfang Dezember gewesen, doch die Malawier mussten bis Ende Dezember auf den ersten richtigen Regen warten. Als es dann endlich das erste Mal wie aus Eimern goss, war die Freude riesig! Endlich konnte mit dem Maisanbau begonnen werden. Jedes verfügbare Stück Erde wurde umgegraben und für die Aussaat vorbereitet. Wahrscheinlich hat jeder malawischer Haushalt einen Flecken Erde, sei es ein richtiges Feld oder nur zwei Meter vor dem eigenen Haus, auf dem Mais angebaut wird, denn das ist hier das Hauptnahrungsmittel. Aus Maismehl wird zum Frühstück phala (ein süßer Brei) gekocht, zum Mittag gibt es dann nsima (ein herzhafter Brei). Viele Frauen verkaufen am Straßenrand ein milchähnliches, nahrhaftes Getränk, welches aus Mais zubereitet wird und auch Bier und Schnaps werden aus Mais gebraut. Man findet auch Grillstände entlang der Straße, an denen Männer frisch gegrillten Mais verkaufen und manche Frauen tragen in großen Körben gekochten Mais auf dem Kopf, der so frisch zubereitet gleich verzehrt werden kann. Mais ist also wahrscheinlich das wichtigste Lebensmittel Malawis und endlich konnte er angebaut werden. Die Freude war wirklich unbeschreiblich!
Doch in den letzten Wochen hat sich die Stimmung merklich verändert. Der Regen schien die verpasste Zeit aufholen zu wollen und wurde stärker und stärker, bis es nun zur Katastrophe kam. Der Süden Malawis steht unter Wasser! Ganze Dörfer wurden einfach fortgespült. Die erschreckende Bilanz bisher: 48 Tote, zahlreiche Vermisste und 50 000 Flüchtlinge, die aus den überspülten Gebieten geflohen sind. Viele Menschen haben über Nacht alles verloren. Der malawische Präsident Peter Mutharika hat letzte Woche nun endlich ein Drittel des Landes als Katastrophengebiet (disaster area) ausrufen lassen und internationale Hilfe angefordert.
Das schreckenerregendste an dieser Situation war für mich meine tagelange Unwissenheit! Ich habe hier in der Haupstadt Lilongwe viel zu lange nichts von der Katastrophe mitbekommen. Auch hier hat es sehr stark geregnet, die Straßen verwandelten sich teilweise in Flüsse und mein Mentor Elia hat auf Arbeit ein paar ernste Worte an uns gerichtet. Die Area in der ich arbeite, gleicht nämlich eher einem Dorf und die Häuser sind nur unzureichend befestigt. In der Regenzeit kommt es immer wieder dazu, dass Häuser einstürzen und die Bewohner mit in den Tod reißen, wenn diese schlafen, weshalb uns Elia gebeten hat, für die Menschen in Area 24 zu beten. Ende letzten Jahres ist wohl auch ein Kind aus dieser Gegend auf Grund der starken Regenfälle verstorben. Eine Stromleitung hatte sich von den Masten gelösten und lag quer über einer der kleinen Straßen, weshalb das Kind, als es sich schnell vor dem Regen nach Hause retten wollte, darauf trat. Trotz all dieser schrecklichen Zeichen, habe ich von der eigentlichen Katastrophe erst durch die deutschen Nachrichten erfahren. Wie konnte das passieren? Wie kann man so nah am Geschehen sein und trotzdem nichts davon mitbekommen? Erst heute habe ich mich durch eine malawische Tageszeitung, die auf Arbeit herum lag, genauer über die derzeitige Lage informieren können. Diese ist schon erschreckend genug, doch auch der Blick in die Zukunft ist düster. Da durch die Flut auch viele Felder und mit ihnen die kleinen neu aus dem Boden gebrochenen Maispflanzen zerstört wurden, droht den Bewohnern Malawis in absehbarer Zeit eine Hungersnot. Viele Menschen, die nur für den Eingenbedarf, also für das Überleben ihrer Familie angebaut haben, stehen nun vor einem Scherbenhaufen. In ganz Malawi wird das Hauptnahrungsmittel Mais fehlen. Nun stellt sich mir natürlich die Frage: Was kann ich tun? Die ersten Sammelaktionen am letzten Donnerstag und Freitag habe ich leider verpasst. Hier in Lilongwe wurden an einem zentralen Punkt warme Kleidung, Maismehl und Schecks angenommen, welche so schnell wie möglich an Bedürftige verteilt werden sollen. Doch das sind erstmal nur kurzfristige Maßnahmen, die zur ersten Hilfe beitragen. Was wird später zur Problemlösung beigetragen werden und was kann ich dann tun? Das kann zur Zeit wohl noch niemand sagen, aber für mich steht fest, dass ich mich in Zukunft besser informieren werde. Ich möchte wissen, was in dem Land vorgeht, in welchem ich derzeit lebe! Ein erster Schritt für mich ist es, regelmäßig die lokalen Zeitungen zu lesen...

Donnerstag, 1. Januar 2015

Stille Nacht?

Weihnachten ist für mich ein Fest, das vor allem durch seine vielfältige Traditionen erst so richtig lebendig wird. Da wäre das Plätzchen und Pfefferkuchen backen in der Adventszeit mit der Familie. Die Besorgung des Tannenbaums, meist aus dem eigenen Garten. Das Schmücken am Weihnachtsmorgen und später am Nachmittag der gemeinsame Gang zur Kinderchristnacht, um das Krippenspiel anzusehen. Danach das Beisammen sitzen unterm Tannenbaum, mit gemeinsamem Musizieren und irgendwann die Bescherung, bevor es durch die schon hereingebrochene Dunkelheit warm eingemummelt zur Christnacht geht. Doch dieses Jahr habe ich viele Traditionen gebrochen und so einige kreativ abgewandelt!
Weihnachten ist für mich vor allem ein Fest, an dem niemand allein sein sollte. Schließlich haben sich ja vor gut 2000 Jahren die verschiedensten Personen an einer Krippe in Bethlehem versammelt, um das neugeborene Jesuskind zu begrüßen. Deshalb war es eine wundervolle Entscheidung von meinem Mitbewohner Robert, seine Ausreisegruppe zu uns in die WG einzuladen, denn so weit entfernt von Familie und Freunden kann man sich schon mal einsam fühlen. So aber hatten wir unzählige andere Freiwillige zu Gast und ich hatte mit Charlie sogar Besuch aus Deutschland. Während der Adventszeit hat sich wohl bei keinem Freiwilligen eine richtige Weihnachtsstimmung eingestellt. Zum einen war es einfach zu warm. Natürlich ist auch in Deutschland nicht jedes Jahr weiße Weihnacht, sondern viel häufiger ist es eher kühl und regnerisch, doch in Malawi ist zur Zeit ja Sommer und Weihnachten im T-Shirt bei fast 30 Grad zu feiern, ist doch etwas ungewohnt. Zum anderen fehlte mir die Atmosphäre, die für mich sonst durch Weihnachtsschmuck wie Sterne, Schwippbögen und Kerzen entsteht. Weihnachtsdekoration habe ich hier in Lilongwe nur im Supermarkt gefunden und dort hing sie schon seit Ende Oktober. Die anfängliche Begeisterung war da nach ein paar Wochen schon wieder verflogen. Kurzerhand haben wir deshalb beschlossen, unser Wohnzimmer etwas herzurichten. In einer kleinen Blechdose im Regal fanden sich sogar kleine Christbaumkugeln, Strohsterne und eine glänzende Happy-Birthday-Girlande. Die Girlande wurde nach kurzer Diskussion über dem Fenster aufgespannt, schließlich gedenken wir Weihnachten ja der Geburt Jesu Christi, Glückwünsche erschienen einem Teil von uns da ganz passend. Nur für den Christbaumschmuck fehlte uns noch der geeignete Platz, bis jemand einen grünen Ast von draußen hereinbrachte, der von uns in eine Flasche gestellt als Tannenbaum umfunktioniert wurde. Auch das Weihnachtsessen wurde dieses Jahr etwas anders interpretiert als sonst. Da wir größtenteils auf dem Markt einkaufen gehen und den Supermarkt nur für besondere Wünsche aufsuchen, gibt es eigentlich immer Obst und Gemüse der Saison. Für Weihnachten bedeutete dies Essen im Stil einer Grillparty. Zum Abendessen gab es Nudel- und Kartoffelsalat und Gemüsespieße, die wir über den Tag gemeinsam zubereitet hatten.
Gemütliches Abendessen
Und mit der Dunkelheit kam die Überraschung des Tages! Kaum verschwand die Sonne hinter dem Horizont, hörte man es draußen knallen und krachen und am Himmel waren vereinzelt bunte Raketen zu sehen, die die Nachbarskinder fröhlich auf der Straße zündeten. Stille Nacht? Fehlanzeige! Scheinbar beginnt man mit dem Feuerwerk in Malawi schon in der Weihnachtszeit und nicht erst Silvester. Schon auf ein bisschen Lärm eingestellt, begaben wir uns dann spätabends zum „Amazone“ einem Club hier in Lilongwe, um zusammen in den nächsten Tag zu tanzen. Und nicht nur wir hatten diese Idee. Scheinbar waren alle Bewohner Lilongwes, die alt genug, aber noch nicht zu alt waren (oder sich noch nicht zu alt fühlten), dort versammelt. Da hat das Tanzen gleich doppelt Spaß gemacht!
Tanzen im Amazone (Foto von Charlie)
Dieses Weihnachten war eindeutig anders als die, welche ich vorher erlebt habe. Es war ungewohnt, laut und warm und voll von mir vorher unbekannten Menschen! Und trotzdem war es gut!

Sonntag, 30. November 2014

Englischunterricht

Es wird besser pang´ono pang´ono (Schritt für Schritt)! Während die Schüler in den ersten Stunden Englischunterricht meine Zeichnungen an der Tafel nicht erkannt haben, werden diese jetzt scheinbar immer besser. Ich unterrichte noch nicht selbst, sondern unterstütze Madam Susan, indem ich zum Beispiel Tafelbilder anbringe und beim Kontrollieren von Aufgaben helfe. Als ich das erste mal den Auftrag bekam, einen Hund an die Tafel zu zeichnen, da die Schüler diese englische Vokabel lernen sollten, war ich mit dem Ergebnis eigentlich ganz zufrieden, bis alle auf Susans Frage "What is this?" einstimmig mit "A cat!" antworteten... Aber meine Ziegen und Elefanten sind doch ganz gut zu erkennen, oder?

Samstag, 15. November 2014

Sporttag im House of Hope

Wer geht schon an einem Samstag freiwillig zur Schule? Diese Frage hat sich den rund 240 Schülern der after school classes des House of Hope gar nicht gestellt, denn für den vergangenen Samstag war ein Sportfest angekündigt! Das verspricht doch Spiel, Spaß und viel Bewegung...
Während wir Mitarbeiter am Morgen im Büro die Teilnehmerlisten durchgehen, erhalten alle Schüler zur Stärkung eine Portion phala. Das ist ähnlich wie nsima ein Maisbrei, der aber dünnflüssiger zubereitet und süß gewürzt wird. Auf jeden Fall gibt der Brei ordentlich Energie und die wird an einem solchen Tag gebraucht! Als alle gestärkt sind, versammeln wir uns vor der provisorisch aufgebauten Bühne zu deren Seiten riesige Boxen stehen. Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist, brennt die Sonne schon vom Himmel und alle suchen einen Platz im Schatten, den die vor der Bühne aufgespannten Zelte spenden.
George und Missionary Min bei der Begrüßung
Dann wird der Sporttag endlich offiziell eröffnet, mit einem herzlichen Willkommensgruß an alle und einem Morgengebet, welches von meinem Mentor Elia gesprochen wird, der auch Pastor ist. Er wird oft von den anderen Mitarbeitern abusa genannt, was auf Chichewa Pastor, aber zeitgleich auch Schafhirte heißt. Gerade mit christlichem Hintergrund betrachtet, finde ich diese Übereinstimmung sehr schön. Nach einem dreifachen „Hallelujah – Amen!“ lesen wir die Mannschaftseinteilung für den heutigen Tag vor. Jedes der acht Teams setzt sich aus Schülern aller Klassenstufen zusammen und wird von einem Mitarbeiter betreut. Ich kümmere mich gemeinsam mit meiner koreanischen Mitfreiwilligen Jooye um Team 8. Damit wir die Mannschaften während des Sporttags auseinanderhalten können, bekommen alle Mitglieder der verschiedenen Teams T-Shirts in der selben Farbe. So haben wir Team yellow, orange, blue, white, indigo, purple, green und pink – so bunt wie ein Regenbogen.
Team blue, purple und yellow
Unser Team erhält die pinken T-Shirts und ich stelle mal wieder fest, dass das absolut nicht meine Farbe ist, aber für diesen besonderen Tag laufe auch ich fröhlich in einem quietsch-rosa Shirt herum. Die Mitglieder von Team pink tragen ihre Trikots auf jeden Fall mit Stolz. Nur die kleine Gladys sieht etwas unglücklich aus. Sie hat ein viel zu großes Shirt erhalten, das ihr bis über die Knie reicht. Wie soll man denn damit vernünftig Sport machen können? Aber mit einem kleinen Trick können wir da schnell Abhilfe schaffen und für den Rest des Tages läuft sie mit einem dicken Knoten vor dem Bauch herum, der das Shirt auf eine passable Länge zusammenrafft. So kann auch sie ordentlich mittoben, denn für die Grundschulkinder wird jetzt die Hüpfburg eröffnet. Bei dem Anblick der hüpfenden, lachenden Kinder bekomme auch ich nicht übel Lust mitzuspringen, aber wir müssen uns um das Programm für die älteren Kinder kümmern. Das starte nämlich mit einem kleinen Fußballturnier. Jeweils vier Mädchen und vier Jungs aus den verschiedenen Teams treten gegeneinander an, während sich der Rest der Mannschaft am Spielfeldrand versammelt und die Spieler fleißig durch Singen und Tanzen anfeuert. Unser Team verliert leider schon beim ersten Spiel und so qualifizieren wir uns nicht für das Halbfinale. Dafür läuft es im anschließenden Netball-Turnier wesentlich besser. Netball ist eine in Malawi häufig vertretene Sportart, die ein wenig an eine Mischung aus Handball und Basketball erinnert. An beiden Enden des Spielfeldes steht eine Stange mit einem Metallring am oberen Ende, welcher an einen Basketballkorb erinnert. Die sieben Spieler jedes Teams versuchen, den Ball durch den Ring des Gegners zu befördern. So werden die Tore erzielt. Auf dem Spielfeld wird der Ball mit der Hand von Spieler zu Spieler gepasst, wobei der Spieler, der im Besitz des Balls ist, nur drei Schritte laufen darf. Es ist ein schnelles Spiel und die Mitglieder der Teams kommen ordentlich ins Schwitzen, genauso wie der Fanclub am Spielfeldrand. Diesmal schaffen wir es bis ins Halbfinale, bevor wir von einem anderen Team besiegt werden. Die finalen Spiele der beiden Turniere werden auf den Nachmittag verschoben, denn jetzt gibt es erstmal Mittagessen für alle Sportler. Bei nsima mit Bohnen und einem Mischung aus Wasser und Limonade kommen alle wieder zu Kräften. Dann erscheinen langsam die ersten Eltern, die für den Nachmittag zum Zuschauen eingeladen wurden.
Die Eltern auf den Zuschauerrängen
Während sie sich einen Platz unter den Zeltdächern suchen, schallt laute, malawische Musik aus den Boxen neben der Bühne und die Kinder tanzen wild und ausdrucksstark. Das können sie mindesten genauso gut wie die Erwachsenen, die ich bisher auf Musikfestivals oder in Clubs tanzen gesehen habe, wenn nicht sogar noch besser. Als sich alle eingefunden haben, folgen die nächsten Sportarten. Für die jüngeren Kinder gibt es einen Staffellauf und die älteren messen sich im Weit- und Hochsprung. Es ist unglaublich anzusehen, wie einige Mädchen in überknielangen Jeansröcken wie Gazellen springen und dabei großartige Weiten und Höhen erzielen.
Auch Röcke hindern nicht am Springen!

Die Latte wird höher und höher gehängt...
Auch die Ergebnisse, die die Jungs erzielen sind atemberaubend. Die Eltern klatschen und jubeln bei jedem Sprung begeistert. Ich glaube, stolze Eltern haben überall auf der Welt den gleichen Gesichtsausdruck.
Unser Springer für Team pink in action.

Der spektakulärste Sprung des Tages!
Den Höhepunkt des Nachmittags bilden dann die finalen Spiele des Fußball- und des Netballturniers. Die Mitarbeiter Lloyd und Louis verwandeln sich dabei in großartige Moderatoren. Sie teilen sich abwechselnd das Mikrophon und so schallen aus den Boxen die Kommentare zum jeweiligen Spielgeschehen. Leider verläuft die Moderation auf Chichewa, weshalb ich nicht sehr viel verstehe, aber Tonfall und Stimmlage der Moderatoren verraten eigentlich auch alles. Da wird enthusiastisch gejubelt, wenn einem Spieler ein Trick gelungen ist und zornig aufgestöhnt, wenn ein Foul verübt wurde. Zwischendurch wird natürlich immer wieder der aktuelle Spielstand verkündet. Welches Team am Ende gewonnen hat? Das kann ich nicht mehr mit Gewissheit sagen und es erscheint mir auch unwichtig, da alle Kinder sehr viel Spaß hatten.
Versammlung in der Kirche
Zum Abschluss versammeln sich alle Schüler in der Kirche, wo jeder einen Beutel mit Waschseife, Körperseife und Vaseline zum Eincremen erhält. Das ist auch dringend nötig, so durchgeschwitzt und verdreckt wie alle nach diesem sportlichen und staubigen Tag sind.
Jeder erhält einen gefüllten Beutel.
Auch ich freue mich auf eine Dusche und eine Runde Entspannung und so machen wir uns schließlich alle auf den Heimweg.
Was ich mir von diesem Tag mitnehme? Einen leichten Sonnenbrand und die Erinnerung an viele glückliche Gesichter bei Groß und Klein! Der Sporttag war ein voller Erfolg!
Glückliche und verschwitzte Schüler

Zum Jubeln ist noch Kraft da!

Sonntag, 26. Oktober 2014

Mulanje Mountain

Es ist schon überraschend, wenn man an einem Montagnachmittag erfährt, dass die Arbeitswoche nach dem Dienstag endet! Am Mittwoch, dem 15 Oktober, wurde nämlich in Malawi Muttertag gefeiert. Schon Wochen vorher wurden in den Straßen bunte Stoffe, die hier chitenje genannt werden, mit dem Aufdruck „Happy Mothersday“ verkauft und von den Frauen auch fleißig getragen. Am Muttertag selbst haben alle Malawier frei und in meinem Projekt wurden sogar die darauffolgenden beiden Tage freigegeben. Ich glaube, die Kinder haben sich alle sehr über diese kurzen Ferien gefreut! Ich musste nicht lange überlegen, was ich mit meiner freien Zeit anfangen sollte, denn meine koreanische Mitfreiwillige Mary hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zu verreisen. Ihre Plan war es, eine kleine Hüttentour auf dem Mt. Mulanje, der im Süden Malawis liegt, zu wagen. Da bin ich dabei!
Wir haben uns deshalb am Mittwochmorgen am Busdepot getroffen und einen Bus nach Blantyre gesucht. Diese Stadt liegt im Süden Malawis und wird oft als eigentliche Haupstadt des Landes bezeichnet. Vom Erscheinungsbild her sieht Blantyre wesentlich europäischer als Lilongwe aus, doch auch hier spürt man die malawische Mentalität, denn auch wenn mehr Häuser nach europäischem Vorbild zu sehen sind, so feilscht man auf dem Markt doch, wie überall in Malawi. An unserem ersten Reisentag haben wir es nur bis dorthin geschafft, da es bei unserer Ankunft schon Abend wurde und es nicht empfehlenswert ist, nach Einbruch der Dunkelheit in einer fremden Stadt anzukommen. Die Nacht haben wir somit in einer kleinen Lodge verbracht und sind erst am nächsten Tag an unserem eigentlichen Ziel angekommen. Am Fuß des Mt. Mulanje liegt das gleichnamige Dorf, in dessen Touristeninformation man Beratung für eine Wanderung in den Bergen bekommt. Richard, der Leiter der Information, hat freundlich lächelnd von unserem Plan Kenntnis genommen, den Berg noch am selben Tag zu besteigen und uns im Anschluss erklärt, dass er diese Idee nicht für ausgereift hält. Wir kamen nämlich gegen Mittag in sein Büro und in Malawi hat gerade die heiße und trockene Jahreszeit begonnen. Unser gut durchdachter Plan wurde also in wenigen Minuten zu einer Schnapsidee. Aber gemeinsam mit Richard wurde kurzerhand ein Plan B erstellt, der vorsah, sehr zeitig am nächsten Morgen zu starten, um die Morgenfrische zu nutzen. Außerdem hat er uns einen guide vermittelt, welcher das Gebirge wie seine Westentasche kennt. Die Wege auf dem Mulanje Mountain sind nämlich nur spärlich beschriftet und es besteht somit die ernstzunehmende Gefahr, sich beim Aufstieg oder bei der Wanderung auf dem Plateau zu verirren. Mary entschied sich außerdem dazu, einen porter zu engagieren, da sie es sich nicht zutraute, die Wanderung mit ihrem großen Rucksack auf dem Rücken zu bewältigen. Da wir nun unverhoffterweise den Tag zur freien Verfügung hatten, haben wir uns ein gemütliches Abendessen in der Pizzeria von Mulanje gegönnt. Im Inneren des Restaurants habe ich folgende Inschrift entdeckt:
A recent legend suggests, that J.R. Tolkien climbed Mulanje Mountain before he wrote `The Hobbit´ and based several aspects of the book on the trip, going so far to name the homeland of its protagonists after nearby Shire River.“ Der Buchautor J.R. Tolkien soll also Inspirationen für sein Werk „Der kleine Hobbit“ beim Wandern auf dem Mulanje Mountain gefunden haben...
Blick von Mulanje aus auf die Teeplantagen und den Mt. Mulanje
Am Donnerstag treffen wir uns in aller Frühe mit unserem guide und dem porter, die sich als Simon und Jones vorstellen. Gemeinsam starten wir unsere 3-tägige Hüttentour. Der Weg führt uns zunächst gemütlich durch unzählige Teeplantagen, die den Mulanje Mountain wie ein grüner Gürtel umgeben. Hier wird der Chombe-Tee angebaut, eine malawische Schwarzteesorte.
Simon, Jones und Mary beim Durchqueren der Teefelder
Der danach folgende Aufstieg ist unglaublich hart. Der steil bergauf führende Weg schlängelt sich am Fuß des Gebirges durch einen beinahe tropisch anmutenden Wald, bevor die Bäume nach und nach immer weniger werden und einer steinigen, kargen Landschaft mit vereinzelte Sträuchern Platz schaffen. Schon bald kommen wir trotz der kühlen morgendlichen Temperaturen ins Schwitzen und müssen alle paar Meter eine kurze Pause zum Luftholen einlegen. Mein Mantra für diesen Aufstieg: Wenn J.R. Tolkien es geschafft hat, dann schaffe ich das auch! Auf ungefähr 2000m Höhe endet unsere Kraxelei und wir kommen auf dem Plateau des Gebirges an, aus dem sich einzelne Gipfel erheben. Der höchste Gipfel (ca. 3007m) wird von den Malawiern „Sapitwe“ genannt, was übersetzt so viel wie „geh dort nicht hin“ bedeutet. Das haben wir auch nicht gemacht. Stattdessen sind wir gegen Mittag bei der CCAP Hut, einer kleinen Berghütte angekommen und haben dort übernachtet und Energie für den nächsten Tag gesammelt. Hier habe ich auch den ersten Regen erlebt, seitdem ich in Malawi angekommen bin! Ein ordentliches Gewitter zieht am Abend über das Gebirge hinweg.
In der CCAP Hut
Als wir am Freitagmorgen starten, ist es durch die viele Feuchtigkeit sehr nebelig. Man sieht kaum seinen Vordermann. Wir überqueren auf unserem Weg einige Hügelketten und nach jeder scheint sich die Landschaft zu verändern. Zunächst laufen wir durch eine Graslandschaft, die später von wäldlichen Gebieten abgelöst wird. Hier sieht man leider immer wieder schwarze, verbrannte Flächen, die die Folge illegaler Abholzung sind. In den Dörfern um den Berg wird nämlich das Feuerholz knapp, weshalb viele Dörfler sich das benötigte Holz auf dem Plateau besorgen. Das ist jedoch verboten, da es sich bei den Bäumen unter anderem um die geschützte Mulanje-Zeder handelt. Wer bei der Abholzung erwischt wird, dem drohen harte Strafen. Deshalb legen einige Dorfbewohner an einer Stelle in dem Gebirge Feuer, welches dann alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und fällen zur gleichen Zeit an einem entfernten Ort Bäume. Auf der einen Seite ist die Not der Dorfbewohner natürlich verständlich, doch werden dabei leider Naturräume nachhaltig zerstört. Eine Lösung für dieses Problem wurde bis jetzt noch nicht wirklich gefunden...
Mary, guide Simon, ich und porter Jones
Wunderschöner Blick auf einen Gipfel
Bevor wir unser Tagesziel erreichen, führt uns der Weg durch eine Farnlandschaft mit schulterhohen Gewächsen. Mitten in dieser Landschaft steht „Frances Cottages“, unsere Berghütte für diese Nacht. Sie ist nach einem Malawier benannt, der bei dem Versuch, einen der Bergflüsse an ein Seil gebunden zu durchschwimmen, ums Leben kam.
Frances Cottage
Am Nachmittag unternehmen wir einen kleinen Spaziergang in der näheren Umgebung. Es ist immer noch sehr neblig und ich erschrecke ziemlich, als aus dem Nebel plötzlich drei große Holzkreuze auftauchen, da ich sofort an ein Unglück denken muss. Simon und Jones erklären uns aber, dass jedes Jahr um die Osterzeit ein solches Kreuz von den Bewohnern der umliegenden Dörfer herauf getragen wird. Dabei singen die Dorfbewohner und stellen die verschiedenen Stationen des Kreuzweges Christi nach. Mary fragt unseren guide nach Bibelliedern auf Chichewa und schon beginnt eine richtige Chorprobe. Das Resultat haben wir in der Hütte sogar aufgenommen.
Die drei Osterkreuze im Nebel
Am Sonntagmorgen haben wir uns wieder sehr früh auf den Weg gemacht und den steilen Abstieg zum Fuß des Berges gewagt. Da wir kurz nach dem Sonnenaufgang gestartet sind, war die ganze Szenerie in ein wunderschönes Licht getaucht. Auch der Abstieg war nicht leicht zu bewältigen und Mary und ich haben oft unsere Hände zur Hilfe genommen oder uns auf dem Hinterteil ein Stück nach unten gleiten lassen. Wir haben uns außerdem entschieden, einen kleinen Umweg auf uns zu nehmen, um die Likhubula Falls ansehen zu können. Dabei handelt es sich um wunderschöne Wasserfälle, die in tiefe Wasserbecken münden, in denen man sogar baden kann. Leider drängte bei uns die Zeit, da wir noch am selben Tag den Rückweg nach Lilongwe schaffen wollten. Der Besuch der Wasserfälle war aber ein schöner Abschluss unserer Hüttentour!
Likhubula Falls
Am späten Vormittag kamen wir dann wieder in Mulanje an, mit Muskelkater an Stellen des Körpers, an denen man gar keine Muskeln vermutet... Ich glaube nicht nur mir, sondern auch Mary fiel der Abschied vom Mt. Mulanje und von Simon und Jones schwer, als wir uns wieder in den Minibus nach Blantyre gesetzt haben. Am Abend waren wir dann wieder in Lilongwe - zumindest körperlich. Der Kopf mit all seinen Gedanken ist noch eine Weile bei den Bergen geblieben!
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