Es wird besser pang´ono pang´ono (Schritt für Schritt)! Während die Schüler in den ersten Stunden Englischunterricht meine Zeichnungen an der Tafel nicht erkannt haben, werden diese jetzt scheinbar immer besser. Ich unterrichte noch nicht selbst, sondern unterstütze Madam Susan, indem ich zum Beispiel Tafelbilder anbringe und beim Kontrollieren von Aufgaben helfe. Als ich das erste mal den Auftrag bekam, einen Hund an die Tafel zu zeichnen, da die Schüler diese englische Vokabel lernen sollten, war ich mit dem Ergebnis eigentlich ganz zufrieden, bis alle auf Susans Frage "What is this?" einstimmig mit "A cat!" antworteten... Aber meine Ziegen und Elefanten sind doch ganz gut zu erkennen, oder?
Sonntag, 30. November 2014
Samstag, 15. November 2014
Sporttag im House of Hope
Wer geht schon an einem Samstag
freiwillig zur Schule? Diese Frage hat sich den rund 240 Schülern der
after school classes des House of Hope gar nicht gestellt, denn für
den vergangenen Samstag war ein Sportfest angekündigt! Das
verspricht doch Spiel, Spaß und viel Bewegung...
Während wir Mitarbeiter am Morgen im
Büro die Teilnehmerlisten durchgehen, erhalten alle Schüler zur
Stärkung eine Portion phala. Das ist ähnlich wie nsima ein
Maisbrei, der aber dünnflüssiger zubereitet und süß gewürzt
wird. Auf jeden Fall gibt der Brei ordentlich Energie und die wird an
einem solchen Tag gebraucht! Als alle gestärkt sind, versammeln wir
uns vor der provisorisch aufgebauten Bühne zu deren Seiten riesige
Boxen stehen. Obwohl es noch relativ früh am Morgen ist, brennt die
Sonne schon vom Himmel und alle suchen einen Platz im Schatten, den
die vor der Bühne aufgespannten Zelte spenden.
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| George und Missionary Min bei der Begrüßung |
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| Team blue, purple und yellow |
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| Die Eltern auf den Zuschauerrängen |
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| Auch Röcke hindern nicht am Springen! |
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| Die Latte wird höher und höher gehängt... |
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| Unser Springer für Team pink in action. |
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| Der spektakulärste Sprung des Tages! |
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| Versammlung in der Kirche |
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| Jeder erhält einen gefüllten Beutel. |
Was ich mir von diesem Tag mitnehme?
Einen leichten Sonnenbrand und die Erinnerung an viele glückliche
Gesichter bei Groß und Klein! Der Sporttag war ein voller Erfolg!
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| Glückliche und verschwitzte Schüler |
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| Zum Jubeln ist noch Kraft da! |
Sonntag, 26. Oktober 2014
Mulanje Mountain
Es ist schon überraschend, wenn man an
einem Montagnachmittag erfährt, dass die Arbeitswoche nach dem
Dienstag endet! Am Mittwoch, dem 15 Oktober, wurde nämlich in Malawi
Muttertag gefeiert. Schon Wochen vorher wurden in den Straßen bunte
Stoffe, die hier chitenje genannt werden, mit dem Aufdruck „Happy
Mothersday“ verkauft und von den Frauen auch fleißig getragen. Am
Muttertag selbst haben alle Malawier frei und in meinem Projekt
wurden sogar die darauffolgenden beiden Tage freigegeben. Ich glaube,
die Kinder haben sich alle sehr über diese kurzen Ferien gefreut!
Ich musste nicht lange überlegen, was ich mit meiner freien Zeit
anfangen sollte, denn meine koreanische Mitfreiwillige Mary hat mich
gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zu verreisen. Ihre Plan
war es, eine kleine Hüttentour auf dem Mt. Mulanje, der im Süden
Malawis liegt, zu wagen. Da bin ich dabei!
Wir haben uns deshalb am Mittwochmorgen
am Busdepot getroffen und einen Bus nach Blantyre gesucht. Diese
Stadt liegt im Süden Malawis und wird oft als eigentliche Haupstadt
des Landes bezeichnet. Vom Erscheinungsbild her sieht Blantyre
wesentlich europäischer als Lilongwe aus, doch auch hier spürt man
die malawische Mentalität, denn auch wenn mehr Häuser nach
europäischem Vorbild zu sehen sind, so feilscht man auf dem Markt
doch, wie überall in Malawi. An unserem ersten Reisentag haben wir
es nur bis dorthin geschafft, da es bei unserer Ankunft schon Abend
wurde und es nicht empfehlenswert ist, nach Einbruch der Dunkelheit
in einer fremden Stadt anzukommen. Die Nacht haben wir somit in einer
kleinen Lodge verbracht und sind erst am nächsten Tag an unserem
eigentlichen Ziel angekommen. Am Fuß des Mt. Mulanje liegt das
gleichnamige Dorf, in dessen Touristeninformation man Beratung für
eine Wanderung in den Bergen bekommt. Richard, der Leiter der
Information, hat freundlich lächelnd von unserem Plan Kenntnis
genommen, den Berg noch am selben Tag zu besteigen und uns im
Anschluss erklärt, dass er diese Idee nicht für ausgereift hält.
Wir kamen nämlich gegen Mittag in sein Büro und in Malawi hat
gerade die heiße und trockene Jahreszeit begonnen. Unser gut
durchdachter Plan wurde also in wenigen Minuten zu einer Schnapsidee.
Aber gemeinsam mit Richard wurde kurzerhand ein Plan B erstellt, der
vorsah, sehr zeitig am nächsten Morgen zu starten, um die
Morgenfrische zu nutzen. Außerdem hat er uns einen guide vermittelt,
welcher das Gebirge wie seine Westentasche kennt. Die Wege auf dem
Mulanje Mountain sind nämlich nur spärlich beschriftet und es
besteht somit die ernstzunehmende Gefahr, sich beim Aufstieg oder bei
der Wanderung auf dem Plateau zu verirren. Mary entschied sich
außerdem dazu, einen porter zu engagieren, da sie es sich nicht
zutraute, die Wanderung mit ihrem großen Rucksack auf dem Rücken zu
bewältigen. Da wir nun unverhoffterweise den Tag zur freien
Verfügung hatten, haben wir uns ein gemütliches Abendessen in der
Pizzeria von Mulanje gegönnt. Im Inneren des Restaurants habe ich
folgende Inschrift entdeckt:
„A recent legend suggests, that
J.R. Tolkien climbed Mulanje Mountain before he wrote `The Hobbit´
and based several aspects of the book on the trip, going so far to
name the homeland of its protagonists after nearby Shire River.“ Der Buchautor J.R.
Tolkien soll also Inspirationen für sein Werk „Der kleine Hobbit“
beim Wandern auf dem Mulanje Mountain gefunden haben...
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| Blick von Mulanje aus auf die Teeplantagen und den Mt. Mulanje |
Am Donnerstag
treffen wir uns in aller Frühe mit unserem guide und dem porter, die
sich als Simon und Jones vorstellen. Gemeinsam starten wir unsere
3-tägige Hüttentour. Der Weg führt uns zunächst gemütlich durch
unzählige Teeplantagen, die den Mulanje Mountain wie ein grüner
Gürtel umgeben. Hier wird der Chombe-Tee angebaut, eine malawische
Schwarzteesorte.
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| Simon, Jones und Mary beim Durchqueren der Teefelder |
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| In der CCAP Hut |
Als wir am
Freitagmorgen starten, ist es durch die viele Feuchtigkeit sehr
nebelig. Man sieht kaum seinen Vordermann. Wir überqueren auf
unserem Weg einige Hügelketten und nach jeder scheint sich die
Landschaft zu verändern. Zunächst laufen wir durch eine
Graslandschaft, die später von wäldlichen Gebieten abgelöst wird.
Hier sieht man leider immer wieder schwarze, verbrannte Flächen, die
die Folge illegaler Abholzung sind. In den Dörfern um den Berg wird
nämlich das Feuerholz knapp, weshalb viele Dörfler sich das
benötigte Holz auf dem Plateau besorgen. Das ist jedoch verboten, da
es sich bei den Bäumen unter anderem um die geschützte
Mulanje-Zeder handelt. Wer bei der Abholzung erwischt wird, dem
drohen harte Strafen. Deshalb legen einige Dorfbewohner an einer
Stelle in dem Gebirge Feuer, welches dann alle Aufmerksamkeit auf
sich zieht und fällen zur gleichen Zeit an einem entfernten Ort
Bäume. Auf der einen Seite ist die Not der Dorfbewohner natürlich
verständlich, doch werden dabei leider Naturräume nachhaltig
zerstört. Eine Lösung für dieses Problem wurde bis jetzt noch
nicht wirklich gefunden...
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| Mary, guide Simon, ich und porter Jones |
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| Wunderschöner Blick auf einen Gipfel |
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| Frances Cottage |
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| Die drei Osterkreuze im Nebel |
Am Sonntagmorgen
haben wir uns wieder sehr früh auf den Weg gemacht und den steilen
Abstieg zum Fuß des Berges gewagt. Da wir kurz nach dem
Sonnenaufgang gestartet sind, war die ganze Szenerie in ein
wunderschönes Licht getaucht. Auch der Abstieg war nicht leicht zu
bewältigen und Mary und ich haben oft unsere Hände zur Hilfe
genommen oder uns auf dem Hinterteil ein Stück nach unten gleiten
lassen. Wir haben uns außerdem entschieden, einen kleinen Umweg auf
uns zu nehmen, um die Likhubula Falls ansehen zu können. Dabei
handelt es sich um wunderschöne Wasserfälle, die in tiefe
Wasserbecken münden, in denen man sogar baden kann. Leider drängte
bei uns die Zeit, da wir noch am selben Tag den Rückweg nach
Lilongwe schaffen wollten. Der Besuch der Wasserfälle war aber ein
schöner Abschluss unserer Hüttentour!
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| Likhubula Falls |
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| Thanks for the visit! |
Montag, 6. Oktober 2014
Tag der deutschen Einheit
Im vergangenen Monat habe ich eine sehr
formell wirkende Einladung erhalten:
"On the occasion of the Day of German Unity The Ambassador of the Federal Republic of Germany Dr. Peter Woeste and Mrs. Regina request the pleasure of the company of Ms. Henriette Doktor to a Reception on Friday, 3 October 2014 at 18.30 hours."
Absender war der deutsche
Botschafter in Lilongwe, welcher alle Freiwilligen einlud, den Tag
der deutschen Einheit in seiner Residenz zu feiern. Wer könnte da
nein sagen? Außerdem bat er uns in einer persönlicheren E-mail, ob
wir ihn bei der Durchführung der Feier unterstützen könnten. Am 3.
Oktober kamen deshalb alle Kolping-Freiwilligen aus den verschiedenen
Ecken Malawis zu uns in die Hauptstadt gereist. Um einige am Busdepot
abholen zu können, habe ich mir den Nachmittag von der Arbeit
freinehmen dürfen. Das war kein Problem, nur musste ich als
Ausgleich meinen Kollegen alles über diesen Nationalfeiertag
erzählen. Von der Geschichte Deutschlands kennen viele Malawier
wenige Ereignisse und leider nur die, derer wir uns nicht gerade
rühmen können. So ist die Beteiligung am 1. und 2. Weltkrieg den
meisten bekannt und wenn man zum Beispiel auf der Straße
angesprochen wird und auf die Frage, woher man denn komme, mit „from
Germany“ antwortet, dann fällt vielen Malawiern als Persönlichkeit
spontan nur Adolf Hitler ein und ich musste schon einige male
versichern, dass der nun wirklich schon eine Weile tot ist. Meine
Kollegen wussten etwas mehr und so konnte ich von der Teilung
Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg und der anschließenden
Wiedervereinigung erzählen. Ich denke, an diesem Punkt war meinen
Kollegen dann sehr gut verständlich, warum der Tag der deutschen
Einheit bei uns als Nationalfeiertag begangen wird. Doch mich hat die
Unterhaltung diesbezüglich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich muss
gestehen, dass ich in den vergangenen Jahren den Tag der deutschen
Einheit eher als willkommenen freien Tag gesehen habe, dabei jedoch
nie intensiv an die Wiedervereinigung gedacht habe. Ich habe es auch
noch nie erlebt, dass jemand diesen Tag in Deutschland wirklich
gefeiert hätte. Bin ich mir Deutschlands Vergangenheit so wenig
bewusst? Diese Ereignisse sind doch erst etwas mehr als 24 Jahre her!
Ich musste also bis nach Malawi reisen, um mir der Wichtigkeit dieses
Tages bewusst zu werden. Verrückt! Besonders die Augen dafür
geöffnet haben mir meine beiden Mitfreiwilligen Jooye und Mary. Die
zwei jungen Frauen kommen aus Südkorea und warten darauf, dass auch
ihr Land sich irgendwann wieder vereint. Vergleicht man die
derzeitige Situation in Korea mit der Situation vor 1989 in
Ostdeutschland, so fallen einem schon einige Parallelen auf. So war
es für die Bewohner der DDR nicht möglich, ihr Land ohne Erlaubnis
zu verlassen. Sie waren sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten.
Auch Südkorea befindet sich nach den Erzählungen von Jooye und Mary
in einer ähnlichen Lage. Zwischen Südkorea und dem Festland liegt
nun einmal Nordkorea und somit eine derzeit unüberwindbare Grenze.
Südkorea ist gewissermaßen zu einer Halbinsel geworden und kann
Kontakt zur Außenwelt nur über den See- oder Luftweg aufnehmen.
Außerdem sind wohl auch hier Familien getrennt, von denen ein Teil
im Norden und der andere im Süden Koreas lebt. Diese Menschen hoffen
verständlicherweise stark auf eine Wiedervereinigung ihres Landes
und obwohl weder Jooye noch Mary Verwandte im Norden haben, hegen sie
den selben Wunsch. Durch dieses Gespräch sehe ich nun den Tag der
deutschen Einheit mit ganz anderen Augen!
Die Feier in der Botschaft am Abend des
3. Oktobers kann man jedenfalls als sehr gelungen bezeichnen! Wir
Helfenden waren etwas früher als die anderen Gäste an Ort und
Stelle und haben die Mitarbeiter in der Residenz bei den
Vorbereitungen tatkräftig unterstützt. So haben wir zum Beispiel
den Garten der Botschaft mit Luftballons und Girlanden in
schwarz-rot-gold geschmückt und später Willkommenshäppchen für
die Gäste belegt.
| Peter-Paul, Johanna, Désirée und ich beim Schmücken des Gartens (Foto von Carlotta Schmidt) |
| Carlotta, Carmen, Jana, Peter-Paul, Désirée und ich überglücklich beim Belegen der Brote (Foto von Carlotta Schmidt) |
Der Botschafter hat dafür extra von seiner
letzten Deutschlandreise Brot und Käse mitgebracht – ein Highlight
für uns Freiwillige! In Malawi gibt es nämlich kein Schwarzbrot,
sonder nur helles Brot, welches man bei uns wahrscheinlich als
Toastbrot bezeichnen würde und die wenigen Käsesorten schmecken
ganz anders als gewohnt. Es ist unglaublich, wie sehr man solche
simplen Dinge schon nach knapp zwei Monaten vermissen kann! Später
gab es noch einige offizielle Reden, welche auf Englisch gehalten
wurden, da nicht nur alle derzeit in Malawi befindlichen deutschen
Staatsbürger eingeladen waren, sondern auch alle anderen Botschafter
und weitere wichtige Persönlichkeiten. Dafür war die Musik, die am
frühen Abend gespielt wurde, deutschsprachig. „99 Luftballons“
von Nena lief bestimmt dreimal, bevor die Musik im Verlaufe des
Abends immer internationaler wurde und sich die Tanzfläche füllte.
| Es wird getanzt! (Foto von Carlotta Schmidt) |
Sonntag, 21. September 2014
Die ersten vier Wochen
Jetzt bin ich schon einen Monat in
Malawi! In dieser Zeit ist unglaublich viel passiert. Ich habe sehr
viele für mich ungewohnte Dinge gesehen und lerne täglich dazu. Das
Wichtigste gibt es jetzt in der Kurzfassung:
Arbeit
Seit zwei Wochen arbeite ich von Montag
bis Freitag im House of Hope. Vormittags bin ich im Kindergarten, wo
ich mit den Kindern spiele und ihnen gemeinsam mit den Erziehern
erste englische Vokabeln beibringe. Wir üben zum Beispiel die
Wochentage, die Monatsnamen und die Zahlen von eins bis zwanzig.
Nachmittags assistiere ich im Unterricht in den after school classes.
Dabei geht es größtenteils darum, den Lehrern beim Korrigieren von
Aufgaben zu helfen, die die Schüler im Englisch-, Mathematik- oder
Chichewaunterricht gelöst haben. Die ersten beiden Wochen waren eine
Art Eingewöhnungsphase für mich. Wahrscheinlich werde ich nach und
nach mehr Aufgaben übernehmen.
Sprache
Die Kinder im
House of Hope sprechen größtenteils nur Chichewa. Das macht es für
mich etwas schwieriger, mich mit ihnen zu verständigen, da ich bis
jetzt nur wenige Worte auf Chichewa spreche. Aber die Kommunikaton
funktioniert auch über Gestik und Mimik, also eine Art
Zeichensprache. Das Wort, welches ich zur Zeit am häufigsten
verwende, ist „basi“, was so viel wie „genug“ oder „es
reicht“ bedeutet. Ich kann es inzwischen dankend, genervt,
kapitulierend und bittend betonen.
Essen
Jeden Mittag gibt
es im House of Hope n´sima mit verschiedenen Beilagen. Das ist ein
für Malawi typischer Brei, der aus Maismehl und Wasser zubereitet
wird. Dazu gibt es verschiedene Bohnensorten oder Rührei mit
gekochten Kürbisblättern. N´sima wird mit bloßen Händen
gegessen. Man formt aus einem Teil des Breis mit der rechten Hand
eine kleine Kugel, in die dann mittig eine Kuhle gedrückt wird.
Damit nimmt man die Beilage auf und balanciert das Ganze zum Mund. Am
Anfang ist das etwas schwierig, jedoch gewöhnt man sich schnell
daran.
Musik
An einem der
vergangenen Wochenenenden war ich gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin
auf einem kleinen Festival direkt am See. Dort habe ich zum ersten
Mal die angesagte malawische Musik gehört. Wer sich dafür
interessiert, sollte mal nach den Namen Paul Banda, Skeffa Chimoto,
den Soul Raiders, Lulu und den Black Missionaries umhören. Das sind
Künstler aus Malawi und den angrenzenden Nachbarländern wie Sambia.
Besonders beeindruckt haben mich bei diesem Festival die tanzenden
malawischen Frauen. Einige von ihnen konnten unglaublich mit den
Hüften wackeln und ihren gesamten Unterkörper schütteln, da hat
man beim Zuschauen fast selbst das Tanzen vergessen.
Verkehrsmittel
Um von einem Punkt
zum anderen zu gelangen, habe ich hier schon die verschiedensten
Verkehrsmittel benutzt. Am weitesten verbreitet ist die Nutzung von
Minibussen. Diese fahren auf verschiedenen Strecken in fast alle
Viertel und der Großteil trifft sich am zentral gelegenen Busdepot.
Es gibt keine offiziellen Haltestellen für diese Busse. Die meisten
Menschen stellen sich einfach an Stellen, an denen das Anhalten
günstig ist, an den Straßenrand und werden dort eingesammelt. Für
meinen Weg zur Arbeit nutze ich jeden Tag diese Minibusse und bin
auch immer gut angekommen. Am Depot selbst fahren die Busse erst dann
los, wenn jeder Platz besetzt ist. Auf einer Sitzreihe mit drei
Plätzen nehmen dann immer vier Menschen Platz. Das ist natürlich
sehr eng, aber man kommt so auch gut mit den Menschen ins Gespräch.
In Malawi ist es tagsüber auch kein Problem, per Anhalter zu fahren.
Dabei muss man allerdings wissen, dass hier nicht das
„Daumen-raus-Zeichen“ gilt. Stattdessen wird mit ausgestrecktem
Arm und flacher Hand, leicht von oben nach unten gewunken, als ob man
das herannahende Auto entschleunigen wollte. Und dabei nicht
vergessen: Lächeln!
Ungewohntes
Es gibt einige
Dinge, an die ich mich hier erst gewöhnen muss. So hat es einige
Tage gebraucht, bis mich der Linksverkehr nicht mehr überrascht
hat. Bis jetzt finde ich es an Kreuzungen oft noch verwirrend, wer
denn eigentlich gerade Vorfahrt hat. Malawi ist in dieser Hinsicht
von der englischen Kolonialherrschaft geprägt.
Außerdem nimmt
der Mond nicht von rechts nach links ab, sondern von oben nach unten
und ich erkenne hier keine Sternbilder. Das liegt natürlich daran,
dass ich mich auf der Südhalbkugel unserer Erde befinde.
Abends fällt in
unserem Viertel manchmal der Strom aus, aber während man noch dabei
ist, Kerzen anzuzünden und sich innerlich mit einem „candlelight
dinner“ arrangiert, flackert das Licht oft schon wieder auf. Der
Jubel, der dann für eine Minute im Viertel herrscht, ist
unbeschreiblich!
Ganz viele liebe
Grüße!
Henriette
Wo die wilden Kerle wohnen
Na gut, "Kerle" sind wir nun nicht gerade und auch über "wild" lässt sich wahrscheinlich diskutieren... Ich möchte euch trotzdem gerne zeigen, wo ich zur Zeit wohne. Ende August bin ich bei Jana eingezogen, einer deutschen Freiwilligen, die schon ein Jahr in Malawi lebt und ihren Freiwilligendienst um ein weiteres Jahr verlängert hat. Zusammen wohnen wir jetzt also in einer WG in Biwi, einem Viertel im Süden Lilongwes. Ich glaube, ich zeige euch alles am besten in einem kleinen Rundgang:
Von der Straße aus sieht man zuerst das grüne Tor, durch welches man auf das Grundstück gelangt. Hier stehen neben unserem Haus links und rechts jeweils noch ein weiteres, die beide von sehr hilfsbereiten Nachbarn bewohnt werden.
Und so sieht unser Haus am frühen Morgen bei schönstem Sonnenschein aus:
Das Zentrum unseres Hauses ist der gemütliche Wohn- und Essraum. Hier steht auch ein Gästebett, das regelmäßig von vorbei schauenden Besuchern genutzt wird.
Und so sieht mein Zimmer aus, in dem ich es mir nach und nach immer gemütlicher einrichte. Über dem Bett hängt ein großes Moskitonetz - wenn man darunter liegt, hat man glatt ein Himmelbettgefühl, aber hauptsächlich soll es vor Mückenstichen und somit vor der Übertragung von Malaria schützen.
Das hier ist unsere Küche, in der wir abends manchmal gemeinsam kochen oder uns ein leckeres Bananenbrot backen.
Besonders beliebt bei Besuchern, sind unsere Toilette mit funktionierender Spülung...
... und unser kleines Bad mit Dusche, die auf Knopfdruck auch warmes Wasser verteilt. Das ist in Malawi nicht selbstverständlich. Gerade in ländlicheren Regionen sind viele Häuser nicht an Wasserleitungen angeschlossen und die Menschen holen sich das nötige Wasser oft mehrmals täglich aus Brunnen.
Hinter dem Haus liegt ein kleiner Hof, auf dem sich eine Waschstelle befindet, an der wir unsere Kleidung waschen können und über den einige Wäscheleinen gespannt sind.
Ich hoffe, ihr habt mit diesen Bildern einen ersten Einblick in mein derzeitiges Leben in Lilongwe erhalten. Ich fühle mich in diesem Haus von Tag zu Tag wohler und freue mich nach einem anstrengenden Tag richtig darauf, hierhin zurück kehren zu können!
Von der Straße aus sieht man zuerst das grüne Tor, durch welches man auf das Grundstück gelangt. Hier stehen neben unserem Haus links und rechts jeweils noch ein weiteres, die beide von sehr hilfsbereiten Nachbarn bewohnt werden.
Und so sieht unser Haus am frühen Morgen bei schönstem Sonnenschein aus:
Das hier ist unsere Küche, in der wir abends manchmal gemeinsam kochen oder uns ein leckeres Bananenbrot backen.
... und unser kleines Bad mit Dusche, die auf Knopfdruck auch warmes Wasser verteilt. Das ist in Malawi nicht selbstverständlich. Gerade in ländlicheren Regionen sind viele Häuser nicht an Wasserleitungen angeschlossen und die Menschen holen sich das nötige Wasser oft mehrmals täglich aus Brunnen.
Hinter dem Haus liegt ein kleiner Hof, auf dem sich eine Waschstelle befindet, an der wir unsere Kleidung waschen können und über den einige Wäscheleinen gespannt sind.
Ich hoffe, ihr habt mit diesen Bildern einen ersten Einblick in mein derzeitiges Leben in Lilongwe erhalten. Ich fühle mich in diesem Haus von Tag zu Tag wohler und freue mich nach einem anstrengenden Tag richtig darauf, hierhin zurück kehren zu können!
Samstag, 20. September 2014
Prolog
Für jede Reise braucht es eine gewisse
Vorbereitung. Je kürzer die Zeit, für die man unterwegs ist, desto
weniger muss man wahrscheinlich bedenken. Für die 11 Monate, die ich
in Malawi verbringen werde, bedarf es deshalb einer besonders
gründlichen Vorbereitung.
Diese begann für mich im Juli, mit dem
Besuch eines zehntägigen Seminars meiner Organisation Kolping.
Während dieses Seminars hatten einige der zukünftigen Freiwilligen
sogar schon die Möglichkeit, die Mentoren ihres Projektes
kennenzulernen, denn einige Projektleiter waren aus Asien, Afrika,
Latein- und Südamerika angereist, um uns einen ersten Einblick in
die für uns neue und fremde Kultur zu geben. Für meinen Leiter war
dies leider nicht möglich, aber dafür waren zwei andere Mentoren
aus Malawi angereist. Im Verlauf des Seminars hatten wir einige
Einheiten gemeinsam mit den Projektleitern, für andere wurden
Mentoren und Freiwillige in zwei Gruppen geteilt.
Als Freiwillige haben wir uns viel mit
unserer Identität und unseren Vorstellungen und Ängsten
hinsichtlich des Auslandsjahres beschäftigt. Es tat sehr gut, sich
mit anderen Jugendlichen auszutauschen, die den selben Schritt wagen
und für mehrere Monate ins Ausland gehen. Die meisten haben vor
einer solchen Reise Zweifel oder Bedenken und angenehmerweise waren
fast alle bereit, sich darüber auszutauschen. Wir wurden darauf
vorbereitet, dass besonders die erste Zeit in einer fremden Umgebung
hart ist, dass man alltäglichen Dinge, wie das Einkaufen erst neu
lernen muss und auch der Kontakt zu den Mitmenschen sich zu Beginn
oft schwierig gestaltet.
Außerdem wurden wir über das Thema
Rassismus umfassend aufgeklärt, denn auch wenn inzwischen Worte wie
„Negerkuss“ in der deutschen Sprache verboten sind, so finden
sich dennoch unzählige andere Beispiele wie „Stamm“, die bei uns
eindeutig negative oder primitive Vorstellungen hervorrufen, oft
ohne, dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Die Einheit
„against rascism“ hat mir dafür die Augen geöffnet und mich zum
Nachdenken angeregt. Eine andere Einheit, welche mich lange
beschäftigt hat, befasste sich mit der kritischen Sicht auf den
Freiwilligendienst. Was kann ich Jugendlicher ohne Ausbildung oder
Beruf in einem Land leisten, dessen Kultur und Sprache mir fremd
sind? Bin ich es wirklich wert, mit Geldern gefördert zu werden?
Über diese Fragen haben wir viel diskutiert und sind schlussendlich
zu der Erkenntnis gekommen: Ja, wir sind es wert! Wir werden zwar mit
unserem Freiwilligendienst nicht die Welt verbessern oder großartig
Hilfe leisten, aber wir tragen damit zur interkulturellen
Verständigung zwischen Ländern und Kulturen bei. Wir sind
vielleicht nicht ausgebildet, aber wir bringen Zeit und den Willen
mit, andere Menschen kennenzulernen, uns auf sie einzulassen und mit
der Zeit vielleicht ihre Lebensweise besser zu verstehen. Außerdem
wollen wir von unseren Erfahrungen und Erlebnissen berichten, um auch
anderen einen Einblick in fremde Länder und Sitten zu ermöglichen.
Neben all diesen theoretischen
Gedankengängen, bekamen wir auch einige praktische Hinweise, zum
Beispiel in der Medizineinheit, in der wir über Krankheiten und den
Schutz vor ihnen aufgeklärt wurden sowie in Form einer Packliste mit
Dingen, die für einen längeren Auslandsaufenthalt praktisch oder
unabkömmlich sind.
Zur selben Zeit gab es für die
Mentoren Einheiten über den Umgang mit Freiwilligen, Konfliktlösung
und ihre Rolle als Ansprechpartner. In der gemeinsamen Zeit erfolgte
ein erster Austausch über die Sitten der jeweiligen Länder mit
Hinweisen auf das Verhalten in verschiedenen Situationen und die
Kleiderordnung. Desweiteren gab es einen kleinen Sprachkurs, für uns
Malawifreiwillige ging es dabei natürlich darum, erste Worte und
Redewendungen in Chichewa, der Landessprache Malawis zu lernen.
Gerade in diesen Einheiten wurden wir von einigen ehemaligen
Freiwilligen unterstützt, die ihr Auslandsjahr zum Teil erst wenige
Tage oder Wochen zuvor beendet hatten und uns bereitwillig viel über
ihre Länder und Projekte erzählten. Das war unglaublich hilfreich,
denn aus den Erzählungen der Mentoren und der Vorfreiwilligen ergab
sich ein erstes Bild unseres Reiseziels.
Dieses Vorbereitungsseminar hat mir
insgesamt sehr viel weitergeholfen! Es hat mich die anderen
Freiwilligen und die Mentoren besser kennen lernen lassen und meine
Vorfreude auf das bevorstehende Auslandsjahr trotz kritischer
Einheiten nur noch gesteigert.
Die restlichen Vorbereitungen waren
vergleichsweise unbedeutend. Die verschiedensten Impfungen mussten im
Tropenzentrum durchgeführt und eine Reiseapotheke zusammengestellt
werden. Schlussendlich wurde alles Nötige in einen Koffer und meinen
Wanderrucksack gepackt und dann...
folgte der schwere Abschied von Familie
und Freunden, bis es wirklich los ging! 11 Monate in Malawis
Hauptstadt Lilongwe warten auf mich...
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